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Statistik: Deutlich weniger Studienanfänger im Bereich Informatik

37.400 Schulabgänger haben 2017 in Deutschland ein Informatikstudium aufgenommen, was einem Minus von über vier Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Gesellschaft für Informatik schlägt Alarm.

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(Bild: dpa, Nicolas Armer)

Entgegen allen Berichten über den großen Fachkräftemangel im Bereich Informationstechnik und dem aktuellen Hype rund um Künstliche Intelligenz, Big Data & Co. ist das Studienfach Informatik derzeit offenbar nicht sonderlich sexy. 37.400 Interessenten haben sich dafür im Sommer- und Wintersemester des Studienjahrs 2017 erstmals an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Das sind 4,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Auswertung der Zahlen von Universitäten und vergleichbaren Bildungseinrichtungen durch das Statistische Bundesamt hervor.

Die Zahl der Personen, die 2017 ein Studium an einer deutschen Hochschule aufgenommen haben, ist derweil gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 0,1 Prozent auf 509.400 gesunken. Vor allem Verwaltungsfachhochschulen konnten mit einem Plus von 24,9 Prozent sogar einen deutlichen Zuwachs melden. Insgesamt sind im Wintersemester 2017/18 laut den Statistikern mit knapp 2,9 Millionen so viele Studierende wie noch nie an den deutschen Hochschulen eingeschrieben. Die Zahl erhöhte sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 um 1,5 Prozent.

Der Bereich Informatik ist vor allem bei Frauen weniger gefragt, die Zahl der Studienanfängerinnen ist dort sogar um 8,8 Prozent zurückgegangen. Dabei konnte der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) für dieses Fach im Dezember aus seiner Sicht noch auf eine erfreuliche Entwicklung verweisen: In der Informatik habe die Zahl der Studienanfängerinnen im 1. Fachsemester von 6400 in 2008 auf 16.900 im Jahr 2015 gesteigert werden können. Ihr prozentualer Anteil habe in diesem Zeitraum von knapp 19 auf 25 Prozent zugelegt.

Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), empfindet die aktuelle Wasserstandsmeldung vor allem "vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Digitalisierung und des jetzt schon sichtbaren IT- und Informatik-Fachkräftemangels" als besorgniserregend. Er forderte die Politik auf, Informatikunterricht von der Grundschule an im Lehrplan zu verankern, um Kinder bereits früh und spielerisch "an die technischen Herausforderungen einer zunehmend digitalisierten Welt heranzuführen". Nur so könne "in den Jugendlichen der Wunsch reifen, ein entsprechendes Studium zu beginnen". Zudem warb er dafür, den Informatikunterricht attraktiver zu machen, um gerade jungen Mädchen den Zugang zu dem Fach schmackhaft zu machen.

Auch in anderen MINT-Fächern sieht die Statistik nicht rosig aus. So schrieben sich 2017 rund 34.700 Studierende in ihrem ersten Hochschulsemester in Maschinenbau und Verfahrenstechnik ein, was einem Rückgang von 4,7 Prozent entspricht. Das Minus im Bereich Bauingenieurwesen liegt mit 11.200 neu Immatrikulierten bei 1,8 Prozent, während die Zahl der Anfänger in Elektro- und Informationstechnik mit 16.800 stagnierte.

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

(axk)

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