Stellenwechsel: "Gefühl ist wichtiger als Geld"

Wie sucht man sich die beste Stelle aus den Angeboten heraus? Karriereberaterin Jutta Boening rät zu einem Methodenmix.

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(Bild: dpa / Julian Stratenschulte)

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Vier, fünf Stellenangebote sind heute bei guten Leuten keine Seltenheit. Aber wie findet man das beste heraus? Indem man rationales mit emotionalem kombiniert, sagt Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung und eigener Beratung am Bodensee.

Frau Boenig, Sie beraten Fach- und Führungskräfte in Karrierefragen. Kommt es vor, dass Klienten um Entscheidungshilfe bitten, weil sie gleich mehrere Stellen zur Auswahl haben?

Wegen meiner Tätigkeit bin ich mit vielen Unternehmen unterschiedlicher Größen in Kontakt und stelle hier fest, dass die Firmen zunehmend Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter mit gefragten Fachexpertisen zu bekommen. Deshalb bekommen Menschen mit fachlich hervorragender, überwiegend technischer Expertise regelmäßig Stellenangebote. Diese Ingenieure und Informatiker werden selten von den Unternehmen direkt über Social Media angesprochen, meist stellen beauftragte Headhunter den Kontakt her. Meine Mandanten erzählen mir, dass sie ständig mit Stellenangeboten umworben werden, ohne aktiv auf der Suche zu sein. Wenn sie von sich aus aktiv werden, bekommen sie oft mehrere Angebote. Eine Handvoll ernstgemeinter Offerten sind heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr, das sorgt für Unbehagen.

heise jobs – der IT-Stellenmarkt

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

Woher kommt das: von der Qual der Wahl?

Jutta Boening

(Bild: Boenig Beratung)

Die Situation ist belastend und komfortabel zugleich. Wenn sich gleich mehrere Unternehmen für einen interessieren, ist das fürs Ego gut. Dann kommt aber schon das zweite Gefühl: Was mache ich jetzt? Das kommt für mich nicht überraschend, weil die Klienten schon vorher wegen eines beruflichen Themas bei mir sind. Sie kommen nicht, weil sie plötzlich fünf Stellenanzeigen auf dem Tisch haben, sondern weil es beispielsweise darum geht, wie sie ihre beruflichen Ziele verwirklichen können. Sich zu bewerben ist eine logische Konsequenz, wenn es in der alten Firma nicht vorangeht. So entstehen die Situationen, dass sich die Leute Gedanken darüber machen müssen: Wohin will ich nun wirklich? Was wahrlich nicht einfach ist, aber der Prozess ist angestoßen und eine Lösung muss nun her.

Wie kann die aussehen?

Zuerst müssen wir klären, in welchem Lebenszusammenhang die Kandidaten stehen. Beispiel: Er oder sie wohnt in München und bekommt ein Angebot aus Mainz, dann stellen sich die Fragen: Was sagt mein Partner zu einem Umzug, ist eine Wochenendbeziehung denkbar? Diese die Lebensumstände beschreibenden Fragen stehen vor den inhaltlichen zur neuen Aufgabe oder einem möglichen Karriereschritt. Nach wie vor scheitern die meisten Bewerbungen an mangelnder Mobilität. Daher sollte man sich schon vor einer Bewerbung überlegen, ob ein räumlicher Wechsel – und sei er nur unter der Woche – eine Option ist. Wenn nicht, kann man solche Angebote auch mit dieser Begründung absagen.

Nicht jeder hat Familie oder lebt in einer festen Beziehung.

Es sind die jüngeren, die mobil sind, weil sie erst ihren Platz finden wollen. Also um die 30-jährige, die gemeinsam mit dem Partner ihr Lebenskonzept aufstellen: Wo wollen wir wohnen, wollen wir Kinder haben? Junge Leute brechen leichter auf an neue Orte, um sich etwas aufzubauen. Sie sind in einer anderen Lebensphase als ältere.