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Stephen Hawking ist tot

Stephen Hawking ist in der Nacht auf Mittwoch gestorben. Er war der Rockstar unter den Wissenschaftlern. Entgegen ärztlicher Prognose wurde er 76 Jahre alt.

Stephen Hawking

Stephen Hawking 2009

(Bild: dpa, Philip Toscano)

Stephen William Hawking ist tot. Der Anfang 1942 in Oxford geborene theoretische Physiker und Astrophysiker ist in der Nacht auf Mittwoch zuhause in Cambridge gestorben. Hawking hinterlässt drei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Der Brite war wohl der berühmteste zeitgenössische Wissenschaftler, wozu neben seinen populärwissenschaftlichen Büchern auch sein Umgang mit seiner unheilbaren Krankheit beigetragen haben: Hawking litt an Amyotropher Lateralsklerose (ALS).

Eine Aufnahme Stephen Hawkings aus den 1980er-Jahren

(Bild: NASA)

Bereits 1963 erhielt er die Diagnose. Die Ärzte gaben ihm noch zwei Jahre zu leben, doch die Krankheit schritt nur langsam fort. Seit 1968 saß Hawking im Rollstuhl, in Folge einer schweren Lungenentzündung verlor er 1985 seine Stimme. Seither benutzte er einen Sprachcomputer, den er mit den wenigen Muskeln bediente, die er noch steuern konnte.

Das hielt ihn nicht von weiterer Forschung, öffentlichen Auftritten und der Mitwirkung in TV-Produktionen wie Star Trek TNG und Big Bang Theory ab. Die Urknall-Theorie, nach der die Sitcom benannt ist, hatte Hawking in den 1960er Jahren gemeinsam mit Roger Penrose theoretisch untermauert und weiterentwickelt. 1974 überraschte er mit der Theorie, dass Schwarze Löcher nicht nur aufsaugen, sondern auch Strahlung abgeben können. Diese Strahlung wird heute Hawking-Strahlung genannt.

Sein 1988 erschienenes Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" über kosmologische Fragen wurde zu einem Bestseller. Mehr als 15 Millionen Exemplare gingen in dutzenden Sprachen über die Ladentische. 2013 erschien Hawkings Autobiografie "Meine kurze Geschichte".

Im Laufe seiner einzigartigen Karriere erhielt Hawking Orden, Ehrentitel und zahlreiche Auszeichnungen. Bereits im Alter von 32 Jahren wurde er 1974 Fellow der Royal Society, die ihm 2006 die Copley-Medaille verlieh. 1979 wurde Hawking die Albert-Einstein-Medaille zuerkannt, 1988 wurde er Commander of the British Empire. US-Präsident Barack Obama verlieh dem Forscher 2009 die Presidential Medal of Freedom, eine der beiden höchsten zivilen Auszeichnungen der USA. Und obwohl Hawking Atheist war, wurde er 1986 in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Hawking bei seinem Besuch im Weißen Haus im August 2009

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit äußerte sich Hawking wiederholt zu philosophischen und politischen Themen. Beispielsweise hielt er die Kontaktaufnahme mit Außerirdischen für zu riskant, riet der Menschheit aber dringend, andere Sonnensysteme zu besiedeln. Auf die Erde beschränkt würde sich die Menschheit eines Tages selbst ruinieren, etwa durch einen Atomkrieg, Erderwärmung, mit Gentechnik erzeugte Viren oder andere Entwicklungen in Wissenschaft und Technik.

Dazu passend verlangte Hawking, gemeinsam mit über tausend anderen Wissenschaftlern und Prominenten wie Steve Wozniak und Noam Chomsky, ein Verbot autonomer Waffensysteme. Überhaupt bedrohten künstliche Intelligenz und Automatisierung aus Hawkings Sicht Arbeitsplätze, was in der Folge zu einer Verstärkung sozialer Ungleichgewichte führe.

Außerdem setzte sich der Physiker, gemeinsam mit anderen Prominenten, erfolgreich für die posthume Begnadigung Alan Turings ein. Der Mathematiker, der 1936 mit seiner Arbeit "On Computable Numbers" den Grundstein der heutigen Informatik gelegt hatte, wurde 1952 in Großbritannien wegen Homosexualität verurteilt. Das war in dem Königreich damals strafbar. 2013 wurde Turing von Königin Elisabeth II. begnadigt.

Stephen Hawking schwebt während eines Parabelfluges 2007.

(Bild: NASA/Jim Campbell, Aero-News Network)

Hawkings Traum, selbst das Weltall zu besuchen, wurde nicht erfüllt. Zwar soll er eine Abmachung mit seinem Landsmann Richard Branson getroffen haben, dessen Alltourismusprojekt Virgin Galactic ab 2007 Touristen ins All bringen sollte. Doch wurde die Betriebsaufnahme immer wieder verschoben, so dass Hawking dieser Ausflug verwehrt blieb. Immerhin erlebte er 2007 Schwerelosigkeit im Rahmen eines Parabelflugs der Firma Zero Gravity.

Über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt: Stephen Hawking pokert mit Isaac Newton, Albert Einstein und Data.

(ds)

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