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Stephen Kings E-Books: auf Kosten der Leser

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Auf seiner Homepage stellte Stephen King im Sommer 2000 den ersten Teil seines Thriller "The Plant" exklusiv zum Download bereit. Weitere Kapitel sollten erst dann folgen, wenn mindestens 75 Prozent derer, die sich Kapitel 1 auf die Festplatte holten, freiwillig dafür einen Dollar gezahlt hatten. Nachdem der Autor das Projekt nach vier Kapiteln wegen mangelnder Zahlungsmoral vorerst gestoppt hat, fühlten sich viele Leser verschaukelt. Kein Wunder, denn wer zahlt schon gerne vier Dollar für ein Buch, von dem er nicht weiß, ob er es zu Ende lesen darf?

Jetzt setzt Stephen King mit der Veröffentlichung seiner Bilanz noch einen drauf: Der halbfertige Roman "The Plant" brachte ihm einen Reingewinn von 463.832 US-Dollar, das sind knapp eine Million Mark. Nicht schlecht für ein Manuskript, das schon jahrelang in einer Schublade schmorte.

Nur die Hand voll Autoren mit einer riesigen und treu ergebenen Lesergemeinde können sich solche Experimente erlauben. Nach der PR-Aktion mit The Plant dürfte Stephen King jedoch einige Leser weniger haben, denn nicht alle sind bereit, solche Spielchen mitzumachen. Der Starautor hatte ja auch was ganz anderes im Sinn, als seinen Lesern neues Futter zu geben. Der Vorstoß mit E-Books zielte vielmehr auf die Verlagsbranche und sollte zeigen, wie einfach man am Verlag vorbei mit E-Books gutes Geld verdienen kann.

Das Medienecho war groß, doch die Panik bei den Verlagen blieb aus, weil das E-Book-Experiment nur bei wenigen Starautoren überhaupt den Hauch einer Chance hat: Ohne Verlag hat es bislang noch kein Schriftsteller zu Starruhm gebracht. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die bestimmt noch nicht abgeschlossene Geschichte 'Stephen King und die E-Books' um ein Kapitel gewachsen ist – ganz im Gegensatz zu "The Plant", auch wenn King im Dezember beteuerte, nach Abschluss anderer Projekte mit dem Roman im Sommer weiterzumachen. (jr)

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