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Steuerfahndung: Chinesische Händler auf Amazon Marketplace im Visier

Deutsche Behörden haben Waren und Guthaben von rund 100 chinesischen Onlinehändlern beschlagnahmt. Diese sollen über Amazon Marketplace verkauft und dabei Umsatzsteuer hinterzogen haben.

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Amazon

(Bild: dpa, Reed Saxon/Symbolbild)

Deutsche Steuerfahnder sind gegen chinesische Händler vorgegangen, die über Amazon Marketplaces hierzulande verkauft haben sollen, ohne Umsatzsteuern abzuführen. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge beschlagnahmten die Ermittler kurz vor den Weihnachtsfeiertagen von rund 100 Händlern ihre bei Amazon eingelagerte Waren. Ferner wurden Amazon-Payments-Guthaben eingefroren.

Amazon habe die Betroffenen am 28. Dezember dann darüber informiert, dass ihre Marketplace-Accounts gesperrt werden, schreibt der Brancheninsider Mark Steier unter Berufung auf Händlerkreise. Unter chinesischen Amazon-Händlern habe demnach regelrechte Panik geherrscht. Der Wert der beschlagnahmten Waren liege bei mehreren Millionen Euro, so Steier.

Federführend für die Ermittlungen ist neben der Steuerfahndung das Finanzamt Berlin Neukölln, das auch für die Umsatzsteuer-Anmeldung der Händler zuständig ist. Aus ermittlungstaktischen Gründen äußerte sich die Behörde aber nicht weiter dazu. Von über 10.000 chinesischen Händlern, die auf Amazon ihre Waren anbieten, seien derzeit nur 432 bei der Berliner Behörde angemeldet, schreibt das Handelsblatt.

Bei dem aktuellen Schlag kooperierte Amazon dem Bericht zufolge in vollem Umfang mit den Behörden. Eine Bitte von heise online um Stellungnahme beantwortete das Unternehmen bislang noch nicht. Schon seit längerem gilt Amazons Dritthändler-Plattform Marketplaces als ein Paradies für diese Art der Steuerhinterziehung. Schätzungen zufolge entgeht dem deutschen Fiskus jährlich bis zu eine Milliarde Euro durch diese Masche chinesischer Onlinehändler.

Bund und Länder wollen solchen Tricks zulasten der deutschen Staatskassen künftig einen Riegel vorschieben. Ende November einigten sich die Länderfinanzminister darauf, eine Reform des Umsatzsteuergesetzes auf den Weg zu bringen. Ein Entwurf solle noch im ersten Quartal 2018 vorliegen. Wahrscheinlich werden dann die Plattform-Betreiber in die Haftung genommen, wenn die Händler nicht korrekt versteuern.

Bislang macht es Amazon den chinesischen Händlern leicht: Ihre Waren können sie in Amazon-Logistikzentren einlagern und dann Auslieferung, Kundenkontakt sowie Bezahlabwicklung dem Onlinehandelsriesen überlassen. Ob die Händler aber auch über eine gültige Umsatzsteuer-Nummer verfügen und die Steuer abführen, kümmerte Amazon dabei nicht. Verkäufer seien eigenständige Unternehmen und selber verantwortlich, ihren Steuerpflichten nachzukommen, so der Konzern. (axk)

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