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Steve Ballmer: Charme-Attacke in Köln

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Angesichts der erstmals zurückgegangen Microsoft-Umsätze freut sich Firmenchef Steve Ballmer über möglichst viele freundliche Gesichter. Nach Terminen in Polen kam der Microsoft-Chef heute zu einer Stippvisite nach Köln. Konkretes hatte Ballmer nicht zu berichten, seine Firma verkündete immerhin, dass die eigenen Cloud-Computing-Offerten nun verfügbar seien und man den Mittelstand mit einem Drei-Stufen-Programm unterstützen werde. Ballmer verbreitete aber Zweckoptimismus: Die Wirtschaftskrise sei nicht zu leugnen, erklärt der Manager, sie gehe aber bald wieder vorbei. "Wir gehen davon aus, dass es zwei, drei, vier Jahre dauern wird – abhängig davon was die Politik tut, um die Schmerzen der Krise zu mindern – bis wir wieder Wachstum sehen werden" sagte der als recht meinungsfreudig und nicht gerade publikumsscheu bekannte Microsoft-Boss.

Der nordrhein-westfälische Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Andreas Pinkwart, nutzte die Gelegenheit, den prominenten Gast auch zu der Veranstaltungsreihe "Innovation live" an die Kölner Fachhochschule zu bitten. Dort versicherte der Minister dem Gast, wie sehr seine eigene Behörde von Microsoft-Produkten abhänge und stellte Ballmer als Vorreiter des Wandels vor. Nachdem sich Ballmer davon überzeugt hatte, dass die Zuhörer deutlich mehr zu Mozilla Firefox als zum Internet Explorer neigen – und fast niemand die Microsoft-Suchmaschine Live nutzt –, schwelgte er in Anekdoten von der Vergangenheit und der Gegenwart: Von seinen Studenten-Tagen mit Bill Gates bis zu den XBox-Erlebnissen seines 17jährigen Sohnes.

Die Zukunft der Softwareindustrie sieht Ballmer in der immer weiter gehenden Vernetzung bestehender Konzepte: So werden Leinwände und Beamer nach der Überzeugung Ballmers schon bald durch riesige Flachbildschirme ersetzt, die auf optische und akustische Signale reagieren. Das Gesundheitswesen will Ballmer umkrempeln, in dem er die heute noch existierenden Papierablagen in Ärztepraxen komplett durch Computer ersetzt.

Bei der anschließenden Fragerunde, bei der aus Zeitknappheit nur ein einziger Student zum Zuge kam, wurde Ballmer auf Linux angesprochen: "Natürlich sehen wir Linux als Konkurrenten, so wie die Linux-Community auch uns als Konkurrenz sieht." Dass die Microsoft-Programmierer nicht ganz so viele Spielräume hätten, liege an der Konzentration auf den Endnutzer. An die Informatikstudenten gerichtet verkündete er: "Ihr alle habt die richtige Entscheidung getroffen: Die Welt braucht Leute, die diese Software schreiben." Die müssten nicht unbedingt für Microsoft selbst arbeiten, sein Unternehmen unterstütze in einer Startup-Initiative derzeit viele Unternehmen, die neue Technologien und Dienstleistungen entwickeln.

Den wichtigsten Tipp, den der Microsoft-Chef den Studenten auf den Weg gab: "Man kann in unserem Bereich nur tätig werden, wenn man den Wandel liebt." So würden viele Entwickler sich alleine auf eine einzige Technologie konzentrieren und so mit der Zeit den Anschluss verlieren. Dass dieses Motto selbst nach 30 Jahren bei Microsoft nicht einfach zu erfüllen ist, zeigte sich, als Ballmer seine Notizen von der Deutschland-Reise, präsentierte: Er hatte sie schlichtweg auf drei zerknitterte Notizzettel geschrieben. Mit moderner Technik kann sich Ballmer aber schon anfreunden: Das Feedback der Studenten zur Veranstaltung will er später auf Twitter nachlesen. (Torsten Kleinz) / (jk)