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Steve Jobs: "Mir geht es gut"

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Neben der Frage, mit welcher Winterkollektion der Computerhersteller in diesem Jahr beim iPod wohl antreten würde, bewegte die Besucher von Apples gestriger "Let's Rock"-Presseveranstaltung in San Francisco eigentlich nur ein Thema: Wie geht es Firmenchef und Silicon-Valley-Ikone Steve Jobs, was macht seine Gesundheit? Der hatte sich beim letzten großen Apple-Event im Juni erstaunlich abgemagert gezeigt, was wochenlang zu Spekulationen über eine mögliche Rückkehr einer Krebserkrankung geführt hatte, die 2004 eigentlich erfolgreich behandelt worden war. Trotz mehrerer Dementis, darunter auch eines von Jobs persönlich, litt Apples Aktienkurs, ist der Konzern mit dem angebissenen Apfel im Logo ohne seinen Mitbegründer doch kaum vorstellbar.

Dass Jobs kommen würde, hatte ein scharfsichtiger Flickr-Nutzer schon vor der Veranstaltung erblickt: Am Tag zuvor stand nämlich bereits der charakteristische Mercedes SL55 AMG des Apple-Chefs, dem dank einer Sondergenehmigung die Nummernschilder fehlen, in der Nähe des Yerba Buena-Centers, in dem die "Let's Rock"-Sause geplant war. Und tatsächlich betrat Jobs dann am gestrigen Dienstag um 10 Uhr morgens Ortszeit die Bühne. Sein Äußeres war unverändert, die magere Erscheinung die gleiche. Er ließ es sich nicht nehmen, gleich zu Anfang auf die Spekulationen um seinen Gesundheitszustand hinzuweisen: Die erste Folie seiner Präsentation enthielt das berühmte Mark-Twain-Zitat: "The rumors of my death have been greatly exaggerated". Jobs kommentierte das nur mit einem lockeren "Das sollte genügen" und ging dann vergnügt und durchaus dynamisch zur iPod+iTunes-Tagesordnung über, bei der unter anderem neue iPod nanos, eine neue Version von iTunes und andere Neuigkeiten musikalischer Art im Mittelpunkt standen.

Nach der Veranstaltung wurde Jobs' Gesundheitszustand dann aber dennoch wieder zum Thema. Jim Goldmann, der Silicon Valley-Korrespondent des wichtigen US-Börsensenders "CNBC", der nach nahezu jedem Jobs-Auftritt ein exklusives TV-Interview mit dem Apple-Boss erhält, ließ es sich nicht nehmen, das Thema anzusprechen. Zwar wollte sich Jobs nicht vor der Kamera dazu äußern, erlaubte aber dennoch Fragen "on the record", deren Antworten Goldman anschließend in sein Weblog bei CNBC einstellte. Ihm gehe es gut, sagte der Apple-Chef. Er wisse, dass er gut 10 bis 15 Pfund zulegen könne, doch ansonsten wisse er nicht, was er sonst noch für diejenigen tun könne, die immer noch um ihn bangten. Zu den Gründen für die Spekulationen um seinen Gesundheitszustand merkte Jobs an, die Gerüchte kämen womöglich "von Hedgefonds, die eine große Leerverkaufsposition auf Apple-Aktien" hätten, also von fallenden Kursen profitieren können. Goldman merkte dazu in seinem Blog allerdings an, er wisse nicht, wie ernst Jobs dies gemeint habe, er habe dies ganz nüchtern gesagt. Weitere Details habe der Apple-Chef nicht genannt. Goldman, der Jobs aus Interviews schon lange kennt, schrieb auch, für ihn habe Jobs einen deutlich beschwingteren Schritt als noch im Juni gehabt.

Der genaue Grund für Jobs Gewichtsverlust ist weiterhin nicht offiziell bekannt. Medizinexperten gehen aber davon aus, dass sie mit Komplikationen der komplexen Bauchspeicheldrüsenoperation zusammenhängen könnten, die Jobs zur Entfernung eines Tumors über sich ergehen lassen musste. Lebensbedrohlich wäre das nicht, wenn der Patient dann seine Ernährung entsprechend umstelle, sagte Dr. Dilip Parekh, Spezialist für Bauchspeicheldrüsentumore an der University of Southern California, im Juni gegenüber dem Magazin "Fortune". "Es gibt dann keinen Grund, dass sie nicht ein normales Leben führen können."

Jobs hatte sich im Juli gegenüber dem Wirtschaftsjournalisten Joe Nocera von der "New York Times" erstmals detailliert zu den Gründen seines Gewichtsverlustes geäußert, diesen aber zum Stillschweigen ("off the record") über selbige verdonnert. So viel durfte Nocera aber sagen: Sie seien weder lebensbedrohlich noch sei Jobs' Krebs zurückgekehrt. Jobs' Auftritt am Dienstag in San Francisco scheint dies zu bestätigen, doch die Befürchtungen um die Gesundheit des Apple-Chefs dürften wohl trotzdem erst vergehen, wenn er einige Kilo zugenommen hat. (bsc)