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Steve Jobs: "PCs sind wie Lastwagen"

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Apple-Chef Steve Jobs hat sich auf der Konferenz All Things Digital des Wall Street Journal (WSJ) zu vielen Themen geäußert, die sich in den drei Jahren seit seinem vorigen Auftreten angesammelt haben. Seinerzeit war Jobs erstmals nach einigen Jahren gemeinsam mit Microsoft-Mitgründer Bill Gates aufgetreten. Diesmal stellte er sich allein den Fragen der WSJ-Kolumnisten Kara Swisher und Walt Mossberg über die Auseinandersetzung mit Adobe über Flash, die Selbsttötungen beim Apple-Fertiger Foxconn, das iPad und die Beziehungen zu Google.

Jeder Tablet-Computer, der mit einem Eingabestift bedient werden müsse, sei ein Fehler, sagte Jobs. Auch könnten sie nicht mit einem PC-Betriebssystem betrieben werden. Der Apple-Chef glaubt, dass Tablet-Computer Notebooks ablösen könnten. Einigen Menschen werde aber angesichts dieses Gedankens unbehaglich, zumal der PC die Menschen schon so lange begleitet haben.

Die mögliche Entwicklung der Computer verglich Jobs mit dem Straßenverkehr: "Wenn wir eine Agrarnation wären, wären alle Autos Lastwagen, denn die würden am meisten benötigt." Autos seien mit dem Wachsen der Städte populär geworden. PCs würden ähnlich wie Lastwagen auch weiterhin benötigt, aber nicht mehr von allen. Fortschritte in der Chip- und Softwareentwicklung könnten dafür sorgen, dass auf Geräten wie dem iPad Arbeiten möglich werden, die bisher auf herkömmlichen Computern erledigt werden.

"Wir wollen lediglich gute Produkte herstellen", sagte Jobs auf die Frage, ob Apple die Auseinandersetzung um das vorherrschende System mit Microsoft verloren habe. "Wir haben uns nie in einem Plattform-Krieg gesehen, vielleicht haben wir ihn deshalb verloren." Angesichts der zunehmenden Konkurrenz mit Google sagte Jobs, die Produkte des Internetdienstleisters würden nicht vom iPhone und vom iPad verbannt. Entgegen der Vorhaltung Mossbergs, Apple habe mit Siri einen Suchspezialisten übernommen, sagte Jobs, sein Unternehmen habe nicht vor, ins Suchgeschäft einzusteigen. Er würde Siri auch nicht als einen Suchdienstleister beschreiben. Das Unternehmen sei im Bereich künstliche Intelligenz tätig.

Apple habe nicht die größten Ressourcen, deshalb sei man gezwungen, technisch auf das beste Pferd zu setzen, sagte Jobs im Zusammenhang mit der Entscheidung, auf dem iPhone und dem iPad kein Flash zuzulassen. Es gebe bei Apple eine Tradition, möglichst früh auf bald ausgediente Technik zu verzichten, so sei es bei der Floppy-Disk gewesen. Flash habe seine Zeit gehabt, nun sei HTML5 an der Reihe. Auf die Frage, was passiere, wenn die Menschen dennoch Flash verlangten, verwies Jobs auf die Verkaufszahlen des iPad: "Wir haben seit dem Start alle drei Sekunden ein iPad verkauft."

Jobs hat nach eigenen Angaben vor einigen Jahren die Idee eines Tablet-Computers gehabt und seinen Mitarbeitern mitgeteilt. Ein halbes Jahr später hätten diese ihm ein Display präsentiert, zu dem ein sehr begabter Mitarbeiter eine Nutzeroberfläche konzipiert habe. Jobs habe daraufhin gemeint, dass damit ein Telefon zu bauen möglich sei. Daraufhin sei die Arbeit an einem Tablet-Computer zunächst beiseite gelegt worden. Zu den von seinem Unternehmen veranlassten Ermittlungen zu einem entwendeten iPhone-Prototypen sagte Jobs, einige Menschen hätten ihm geraten, die Angelegenheit einfach laufen zu lassen. Er habe aber auf Basis der Leitbilder seines Unternehmens, die sich in den Jahren nicht geändert hätten, anders entschieden.

Zu Apples Regeln gehöre auch, dass keine Menschen in Applikationen verhöhnt werden dürften, sagte Jobs. Deshalb sei eine iPhone-App des Karikaturisten Mark Fiore abgelehnt worden. Die Regel sei dann geändert worden, Fiore habe in der Zwischenzeit den Pulitzer-Preis gewonnen, die App aber nicht wieder eingereicht. Apple mache Fehler, aber korrigiere sie auch. Die Angelegenheit sei aber derweil an die Öffentlichkeit geraten.

Zu den Selbsttötungen von Mitarbeitern des Apple-Zulieferers Foxconn sagte Jobs, die bislang 15 Fälle lägen immer noch unter dem statistischen Durchschnitt der USA, doch beschäftigten sie Apple sehr. Daher habe das Unternehmen eigene Mitarbeiter und unabhängige Sachverständige dorthin geschickt. Foxconn sei kein Ausbeuterbetrieb. Es gebe dort Gaststätten und Schwimmbäder. Es sei eine ziemlich nette Fabrik.

Seine eigene Aufgabe bei Apple als CEO bezeichnete Jobs als einen der besten Jobs der Welt. Er arbeite mit einigen der talentiertesten Menschen zusammen. In seinem Unternehmen gebe es keine festgelegten Arbeitsgruppen, stattdessen sei Apple wie ein Start-up strukturiert. In dem Sinne sei Apple das größte Start-up der Welt. "Natürlich", sagte Jobs auf die Frage Mossbergs, ob die Mitarbeiter Kritik übten. "Die besten Ideen müssen sich durchsetzen, egal von wem sie stammen."

(anw)