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Streaming für lau: Musikindustrie schießt sich auf YouTube ein

82 Prozent der YouTube-Besucher nutzen den Dienst laut einer Studie, um Musik zu hören. 81 Prozent davon spielen ihnen bereits bekannte Songs ab. Für die Labels ist klar, dass so Käufe vermieden werden und eine Lizenzpflicht her muss.

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(Bild: dpa, Jenny Tobien/Illustration)

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Die Musikindustrie will mehr Geld von YouTube. 82 Prozent der Besucher des Videoportals nutzen die Plattform, um sich Musik-Clips anzuschauen und Songs zu hören. 81 Prozent davon spielen dabei Stücke ab, die ihnen bereits bekannt sind, 58 Prozent stoßen dort auf musikalische Neuentdeckungen. Diese Erkenntnisse gehören zu den Kernergebnissen einer Studie zu den Musikgewohnheiten von Verbrauchern in den 13 wichtigsten Märkten weltweit, die der internationale Dachverband der Plattenindustrie IFPI am Dienstag veröffentlicht hat.

Für die Untersuchung hat das Marktforschungsinstitut Ipsos Internetnutzer zwischen 16 und 64 Jahren in Staaten wie den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien oder Australien befragt. 49 Prozent der Nutzer kostenloser Musik-Streaming-Dienste tun dies demnach hauptsächlich, "weil es gratis ist". Nur 27 Prozent geben an, dass sie in Songs hineinhören, die sie später eventuell erwerben möchten. Für die Labels wird damit deutlich, dass die Gratis-Services zunehmend als Alternative genutzt werden, um nicht für Musik bezahlen zu müssen.

Wenn die YouTube fürs Streaming von Titeln Geld verlangen würde, wären 13 Prozent der nicht-zahlenden Nutzer bereit, ins Portemonnaie zu greifen, heißt es in der Studie. Bei über einer Milliarde Besucher der Google-Tochter wäre dies eine "signifikante Anzahl", die zu bedeutenden zusätzlichen Einnahmen führten.

Smartphones sind mittlerweile das am meisten genutzte Gerät, um Musik zu hören. Insgesamt setzen dafür 55 Prozent der Befragten auf das vernetzte Mobiltelefon, während es voriges Jahr erst 50 Prozent waren. In Schwellenländern wie Mexiko oder Brasilien sowie in Südkorea und Italien lauschen über zwei Drittel der Onliner zu Songs auf dem Handy.

Mit den Resultaten sieht die IFPI ihre These untermauert, dass es eine wachsende Kluft zwischen der "explodierenden" Online-Musiknutzung insbesondere auf Videoplattformen und den Erlösen der Kreativen und der Investoren in neue Titel gebe. Der Ruf nach dem Gesetzgeber wird daher laut: "Klare rechtliche Rahmenbedingungen zur Frage der Lizenzpflicht von Diensten wie YouTube sind letztlich für alle Beteiligten wichtig", kommentierte der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke, die Studie. Man hoffe, dass dieser Gedanke in den Plan der EU-Kommission zur Urheberrechtsreform Eingang finde.

Andererseits offenbart die Analyse auch Lichtblicke für die Labels. 71 Prozent der befragten User greifen auf legale Musikangebote im Netz zurück. Dabei nimmt die Popularität von bezahlten Premium-Diensten beim Streaming zu: Insgesamt hat zumindest bei den 16- bis 24-Jährigen fast ein Drittel ein entsprechendes Abonnement. 82 Prozent der 13- bis 15-Jährigen geben zudem an, auf legale Musikangebote zuzugreifen; die Mehrheit davon ist auch bereit, für Songs zu bezahlen.

Copyrightverletzungen bleiben der Untersuchung zufolge aber ein Problem: 35 Prozent der Teilnehmer hören illegal nicht-lizenzierte Musik. Tauschbörsen oder sonstige Peer-2-Peer-Dienste (P2P) verlieren dabei offenbar an Attraktivität: Knapp die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen nutzt sogenannte Streamripper, um sich Musik etwa über YouTube herunterzuladen und in Folge nach Belieben abzuspielen und zu speichern. Dieses Thema bleibe auch hierzulande relevant, weiß Drücke, auch wenn die Tendenz dabei "aktuell erfreulicherweise etwas rückläufig ist".

Insgesamt wertet der Labelvertreter die Resultate mit Blick auf die zunehmende Zahlungsbereitschaft als "gute Nachricht". Nutzerrechte müssten aber so gestaltet sein, dass sie nicht Geschäftsmodellen Vorschub leisteten, "die letztlich nur schmarotzen und die Kreativen und ihre Partner nicht an den Einnahmen partizipieren lassen". Es sei wichtig, gerade die junge Generation weiter für die Belange der Musikwirtschaft zu "sensibilisieren". (axk)