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Streit um Elektrosmog durch Radio Vatikan

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Der italienische Umweltminister droht damit, dem päpstlichen Radiosender den Strom abzudrehen, weil der Sender gegen Umweltschutzgesetze verstößt. Nach Agenturberichten hat der italienische Umweltminister Willer Bordon Radio Vatikan am Freitag ein Frist von 15 Tagen gesetzt, um die Abstrahlung der Sendeanlagen wieder unter die seit 1998 geltenden Grenzwerte für Elektrosmog zu bekommen. Sollte der Vatikan sich nicht an diese Vorgaben halten, will Bordon eine Stromsperre anordnen.

Bewohner aus der Umgebung des Vatikan hatten in den vergangenen Jahren immer wieder beklagt, die Sender würden den Radio- und Telefonempfang stören. Umweltschützer sagen, der Elektrosmog könne Krebs verursachen. Der Vatikan hatte erklärt, dass der Sender des Vatikanstaats nicht dem italienischem Recht unterstehe.

Der Vatikan protestierte unterdessen am Wochenende heftig gegen die Auflagen: Die Vorwürfe, der Sender strahle schädliche Wellen ab, entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage und seien völlig inakzeptabel, erklärte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls am Samstag. Der Sender in Santa Maria di Galeria nahe Rom entspreche internationalen Standards. Die "extreme Entscheidung", Radio Vatikan den Strom abzustellen, könne innerhalb der nächsten 15 Tage getroffen werden, kündigte Bordon dagegen an. Ein gemeinsamer Ausschuss aus Vertretern Italiens und des Vatikans soll jetzt nach einer Lösung suchen – zunächst will man sich auf ein Verfahren zur Messung der elektromagnetischen Strahlenbelastung einigen.

Radio Vatikan begann mit einem Kurzwellensender von 15 Kilowatt auf der Spitze des Vatikanhügels. Bis 1957 waren alle weiteren Antennen ebenfalls hinter den vatikanischen Mauern, dann wurden auf einem ursprünglich landwirtschaftlichen Gelände von über 400 Hektar, rund 25 Kilometer von Rom entfernt, eine Sendestation mit großen Antennen gebaut. Das Gelände ist jedoch extraterritorial und gehört zum Vatikan. Auf dem Sendegelände Santa Maria di Galeria stehen nach Angaben von Radio Vatikan neun Kurzwellesender (fünf zu je 500 kW, vier mit je 400 kW) und vier Mittelwellensender (600, 250, 120 und 50 kW). (wst)