Streit um Top Level Domain: .org ist Symbol des nicht-kommerziellen Internets

Die ehemalige ICANN-Vorstandsvorsitzende Esther Dyson kritisiert die Kommerzialisierung von .org. Eine neue Kooperative soll Druck auf die ICANN ausüben.

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(Bild: alphaspirit/Shutterstock.com)

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Die Top Level Domain .org sei eines von wenigen Symbolen des nicht-kommerziellen Internets, das es noch gibt, sagte die ehemalige Vorsitzende des ICANN-Vorstands Esther Dyson bei der vom Burda Verlag in München ausgerichteten DLD Munich 20. "Es ist ein Symbol, das die Welt nicht verlieren sollte."

Dyson ist eine von sechs Partnern einer neuen Kooperative (Cooperative Corporation of dot-org Registrants, CCOR), die sich als mögliche neue Heimat für die umkämpfte .org-Registry ins Spiel gebracht hat. Die Gruppe tritt gegen die US-Investmentfirma Ethos Capital an, die der Internet Society ihre .org-Registry-Tochter Public Interest Registry (PIR) abgekauft hat. Dyson und ihre Partner hoffen, dadurch Druck auf die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) aufzubauen und eine erneute Vergabe zu verwirken.

Dyson machte auf der DLD in München klar, sie und ihre Partner verträten die Auffassung, dass .org nicht verkauft werden könnte. Vielmehr habe die ICANN die von vielen nicht-kommerziellen Institutionen, aber auch anderen genutzte Top Level Domain der Internet Society (ISOC) zum Betrieb übertragen. Da auch andere Top Level Domains bereits die Besitzer gewechselt haben, könnte sich ICANN auf Präzedenzfälle berufen.

Auf jeden Fall stehen laut Dyson auf allen Seiten bereits eine Menge Anwälte bereit. In gewisser Weise hoffe man schlicht, dass man Ethos Capital, in deren Management auch eine ehemalige ICANN-Hauptamtliche aktiv ist, die Segel streiche ob der juristischen Kämpfe, sagte Dyson. Sie und die CCOR habe kein eigenes Interesse und werde im Falle eines Zuschlags – also sollte wider Erwarten die ICANN .org neu vergeben und dabei CCOR wählen – eine Wahl unter .org-Nutzern organisieren, damit diese ihren Vorstand selbst wählen könnten.

Ebenso sollte nach Ansicht Dysons auch darüber befunden werden, wie man mit sensiblen Begriffen bei der Registrierung oder Versuchen von Regierungen, diese zu verhindern, umgehen sollte. Die Top Level Domain .org müsse als kleines Schiff im großen, nur noch Profit-getriebenen Internet auch in Zukunft unter der Flagge des untergehenden nicht-kommerziellen Netzes fahren. (tiw)