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Streit um Vorlesungsskripte im Web

Die University of California at Los Angeles (UCLA) will die Veröffentlichung von Vorlesungsmitschriften im Internet verhindern. Stein des Anstoßes ist ein Angebot der Firma Study 24-7 . Das Unternehmen zahlt Studenten 1000 US-Dollar für die Anfertigung von Vorlesungsskripten, die auf einer werbefinanzierten Website veröffentlicht werden. Im Gegensatz zu den meisten US-Universitäten verbietet die UCLA die kommerzielle Verwertung der Lehrinhalte, vermarktet aber selbst gedruckte Skripte. Der Anwalt von Study 24-7 wehrt sich gegen das Verbot. Die Mitschriften seien eigenständige Werke der Studenten, die diese auch verwerten dürften. Die Frage, ob die kommerzielle Nutzung einer studentischen Mitschrift das Urheberrecht der Professoren verletzt, wird zur Zeit von amerikanischen Juristen heftig diskutiert.

Die Verbreitung von Vorlesungsmitschriften ist auch in Deutschland nicht unumstritten. Wie das amerikanische, schütze auch das deutsche Urheberrecht den mündlichen Vortrag der Dozenten. Die darin enthaltene Lehre werde davon jedoch nicht erfasst, so der Urheberrechtsexperte Professor Christian Berger von der Juristenfakultät Leipzig gegenüber c't. Die in Mitschriften üblichen Verknappungen der Gedankengänge reichten zur Urheberrechtswahrung aber nicht aus. Das veröffentlichte Skript müsse in seiner Gedankenführung einen "bedeutenden Abstand" zum Originalvortrag aufweisen, sei dann jedoch nicht mehr als Vorlesungsmitschrift brauchbar.

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Die deutschen Hochschullehrer üben ihre diesbezüglichen Rechte in der Praxis jedoch eher verhalten aus, zumindest was die nichtkommerzielle Verwendung anbelangt. Europa habe da eine andere Tradition als Amerika, meint der Politologe Wolfgang Leidhold von der Uni Köln, der selbst mit Intenet-AGs seiner Studenten zusammenarbeitet. Die alte Welt sei durch frei zugängliches Wissen erstarkt und sollte sich deshalb von diesem Prinzip nicht trennen. Daher müssen Studenten, die ihre Mitschriften auf Homepages (z. B.: http://www.weikamp.de/Skripte/mitschr.html) veröffentlichen, hier zu Lande meist nicht mit Konsequenzen rechnen. (tig)

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