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Streit um Whois-Datenbank der .de-Registry DENIC

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Der Streit um die Übernahme des Whois-Service für .de-Domains durch das DENIC, verantwortlich für die Domain-Registrierung hier zu Lande, ist noch nicht ausgestanden. Vor allem Reseller der .de-Domains lieferten sich heftige Grabenkämpfe mit den DENIC-Verantwortlichen über die ihrer Meinung nach "hinter verschlossenen Türen" geplante Aktion. Vergangene Woche hatte RIPE, zuständig für die Vergabe von IP-Adressen in Europa, Domainabfragen mit einem Verweis auf die DENIC-Datenbank beantwortet. Allerdings waren die DENIC-Whois-Datensätze stark verändert und in Teilen – wie im Fall der fünfstelligen Postleitzahlen – fehlerhaft. DENIC-Geschäftsführerin Sabine Dolderer räumte den Fehler ein und hat inzwischen für die weitere Diskussion eine Liste (public-l, zu abonnieren über majordom@denic.de) beim DENIC eingerichtet. Die Provider selbst starteten eine Unterschriftenaktion gegen die Art und Weise, in der die DENIC die Umstellung durchgeführt hat.

Befremdet reagierten viele Provider vor allem darauf, dass sämtliche Kontakt-Telefonnummern sowie die change- und remark-Felder aus den Datensätzen herausgefiltert waren. Das DENIC argumentiert mit einer längst fälligen Anpassung an gängige Datenschutzbestimmungen. Allerdings diskutierte man hausintern am heutigen Dienstag Nachmittag nach dem Ansturm der Provider die Frage, wie schnell verschiedene derzeit ausgefilterte Angaben wieder aufgenommen werden können. Noch in dieser Woche sollen demnach die Telefon- und Faxnummern der technischen und Zonenadministratoren wieder aufgeführt werden. Künftig sei die Veröffentlichung aller Telefonnummern "auf Wunsch" geplant, sagte Dolderer bereits Ende vergangener Woche.

Eine grundsätzliche Änderung will man aber nicht zurücknehmen: Eine Veränderung der Datensätze, der so genannten Handles, ist in Zukunft nur noch für DENIC-Mitglieder möglich. "Sobald die Personenhandles ebenfalls vom RIPE ans DENIC übergeben werden, müssen Updates über die Mitglieder gemacht werden", erklärte Dolderer. Reseller können dann nicht mehr mit selbst verfassten Maintainern arbeiten, sie müssen alle Veränderungen über "ihr" DENIC-Mitglied abwickeln. Den Verdacht, dass dadurch sanfter Druck auf die Reseller ausgeübt werden soll, doch einmal eine DENIC-Mitgliedschaft in Erwägung zu ziehen, weist Dolderer nicht zurück: "Wir sind schon der Meinung, dass alle, die mit Domains arbeiten, bei uns Mitglied werden sollten." Man orientiere sich in dieser Hinsicht an Vorbildern wie dem englischen NIC mit 2000 bis 3000 Mitgliedern.

"Ich werde für meine Reseller ein Webinterface anlegen, das ihnen nach Authentifizierung die Pflege der Daten ermöglicht", sagt DENIC-Aufsichtsratsmitglied Elmar Knipp. Seiner Meinung nach wird die Umstellung den Endkunden letztlich zugute kommen. Denn nicht alle Anbieter hätten in der Vergangenheit die WHOIS-Daten ausreichend gegen die Manipulation durch Unberechtigte geschützt. "Ich habe meine Reseller im Übrigen vor der Umstellung informiert, wir diskutieren ja bereits seit eineinhalb Jahren darüber. Wenn manche DENIC-Mitglieder das nicht getan haben, ist das natürlich nicht so gut." Allerdings werde man sich wegen Änderungen im Benzinverkauf ja auch nicht an den Öl-Scheich, sondern an die Aral-Tanktstelle wenden. Kostenlos werde die Datenabfrage übrigens auch in Zukunft sein, erklärte Knipp.

Man habe, so heisst es beim DENIC, nicht mit einem solchen Aufschrei gerechnet und komme mit der Migration lediglich der Forderung des RIPE nach, den Betrieb der Datenbanken selbst zu übernehmen. "Letztlich standen wir vor einem Ultimatum von RIPE, bis Ende Juni das WHOIS selbst zu übernehmen", erklärt Dolderer. Man hätte sich gerne mehr Zeit für die technische Vorbereitung gelassen, sagte sie mit Blick auf die technischen Pannen. (Monika Ermert) / (jk)