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Streit um .amazon-Domain: Amazon fast am Ziel mit eigener TLD

Seit Jahren ringen Amazon und lateinamerikanische Staaten um die Zuteilung der Domain .amazon. Nun hat sich der Onlinehändler praktisch durchgesetzt.

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(Bild: dpa, Nick Ansell/PA Wire)

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Nach sieben Jahren ist Onlinehändler Amazon fast am Ziel einer eigenen .amazon Top-Level-Domain. Der Vorstand der Internet Corporation for Assigned Numbers (ICANN) entschied Ende vergangener Woche zugunsten der Firma – und damit gegen die Amazonas-Anrainerstaaten, die sich bis zuletzt gegen eine bedingungslose Vergabe "ihres“ Names an den Handelsriesen gewehrt hatten. Als nächstes hat die Öffentlichkeit noch einmal das Wort.

Der ICANN-Vorstand verwies in seiner Begründung vor allem darauf, dass man den Zuteilungsantrag von Amazon nun sieben Jahre lang verzögert habe. Gleich nach der Beantragung des Namens im Rahmen der TLD-Runde 2012 gab es Widerspruch der Regierungen aus Brasilien, Peru, Chile und anderen Anrainern des Amazonas. 2013 stoppte der ICANN-Vorstand deswegen das Delegationsverfahren.

Anders als die Ausrüsterfirma Patagonia, die ihren Antrag rasch zurückzog, blieb Amazon hartnäckig. Es überstand den Einspruch eines Schiedsrichters, ging aus einem weiteren in der TLD-Vergabe vorgesehenen Schiedsverfahren siegreich hervor und erreichte 2018 die Aufhebung des Delegationsstopps durch den ICANN Vorstand.

Die zuletzt noch versuchten Verhandlungen mit der für die Amazonas-Anrainerstaaten sprechenden Amazon Cooperation Treaty Organization (ACTO) verliefen mehr als holperig. Amazon warb zwar mit der Ausgabe von Kindle-Geräten und zeigte sich zu gewissen Selbstbeschränkungen bei der Nutzung der TLD bereit. Nicht akzeptieren wollte das Unternehmen aber, dass die lateinamerikanischen Staaten direkte Mitspracherechte erhalten können. Der CEO der ICANN, Göran Marby, der zwischenzeitlich als Mittler eingeschaltet werden sollte, wurde von der ACTO ausgeladen, nachdem der ICANN-Vorstand unmittelbar vor diesem Treffen den Delegationsstopp aufgehoben und damit den Druck auf ACTO erhöht hatte.

Bevor Amazon seine TLD nun tatsächlich nutzen kann, muss es noch eine öffentliche Konsultation überstehen. Darin geht es allerdings nicht mehr um die Delegation als solche, sondern lediglich um die Selbstverpflichtungen, die sich Amazon im öffentlichen Interesse selbst auferlegen will. Einsprüche gegen diese sogenannten "Public Interest Commitments“ (PICs) werden den nächsten Schritt, die eigentliche Vertragsgestaltung zwischen dem hauptamtlichen Management der ICANN in Marina del Rey und Amazon kaum mehr aufhalten.

Ob ACTO sich nun geschlagen gibt? Zwei Möglichkeiten bleiben den Lateinamerikanern, die in den vergangenen Wochen in vielen Brandbriefen an die ICANN vor einer Vergabe warnten. Zum einen könnten sie versuchen, ein noch recht neues Instrument der Selbstverwaltung zu testen, das jedem ICANN-Gremium die Möglichkeit eröffnet, die Selbstverwaltungsgemeinschaft anzurufen. Dazu müssen die ACTO-Vertreter zunächst eins dieser Gremien auf ihre Seite bringen, etwa den Regierungsbeirat (GAC), und, um Erfolg zu haben, weitere Verbündete finden.

Zuallerletzt bliebe den ACTO-Ländern nur noch der Gang vor Gericht. Amazon, das wohl einen siebenstelligen Betrag ausgegeben hat, um künftig unter .amazon statt unter .amazon.com zu firmieren, würde wohl auch diese Kosten eines Zivilverfahrens nicht scheuen. Ob die ACTO-Länder sich auf ein solches Verfahren einigen können, ist fraglich. Vielleicht hat auch diese Überlegung dazu geführt, dass die ICANN am Ende für das Unternehmen entschieden hat. (axk)