Streit um französischen Atommüll

Nach einem Zeitungsbericht lässt der französische Stromversorger EDF Abfall aus seinen Atomanlagen nach Sibiren verfrachten, wo das radioaktive Material auf einem Parkplatz lagert. Das Unternehmen dementiert, dass es sich um Atommüll handelt.

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Von
  • Thomas Pany

Frankreich deckt seine Stromversorgung zu 80 Prozent mit Kernkraftwerken. Die Frage, was mit den atomaren Abfällen geschieht, war aber lange Zeit kein großes Thema in der Öffentlichkeit. Das hat sich nun geändert: Laut einem Bericht der Tageszeitung Libération lagern „13 Prozent“ der radioaktiven Abfallprodukte auf einem nicht-überdachten Parkplatz in der für die Öffentlichkeit unzugänglichen Stadt Sewersk in Sibirien. Seit Mitte der 1990erjahre sollen über den Seeweg und von Sankt Petersburg aus per Zug jährlich 108 Tonnen „abgereichertes Uran“ von der französischen Hafenstadt Le Havre zum „Atomkomplex“ Tomsk-7 transportiert werden. Der Zeitungsbericht erntete internationales Aufsehen. Die Abfälle sollen aus Nuklearreaktoren des französischen Stromversorgers EDF stammen.

Der Konzern dementiert heute den Bericht, der auch in internationalen Medien für Aufsehen sorgt. Eine EDF-Sprecherin verneinte gegenüber einer französischen Nachrichtenagentur, dass es sich um nuklearen Müll (im Orginal „déchet“) handelt, der nach Russland transportiert werde. Die radioaktiven Abfälle würden in Frankreich bleiben, „in aller Sicherheit“, in der Aufbereitungsanlage La Hague. Einzig wiederaufbereitbares Uran aus den EDF-Atomkraftwerken würde nach Russland verfrachtet werden, um dort neu angereichert zu werden.

Für die Journalisten von Libération, die nach eigenen Angaben acht Monate recherchiert haben, ist das Dementie allerdings „Wortklauberei“. Mitautorin Laure Noualhat hält dem Stromversorger entgegen, dass der Transport von „radioaktivem Material“ nach Siberien zugegeben werde, man sich aber lediglich sträube, das Wort „Abfall“ zu verwenden. Die EDF würde verschweigen, dass 90 Prozent der Transportmenge in Sibirien verbleibe, das stünde im Widerspruch zur Behauptung, wonach die Materialien „auf mehrfache Weise nützlich seien".

Die Staatssekretärin für Umwelt, Chantal Jouanno, hat sich mittlerweile dafür ausgesprochen , dass die EDF eine interne Untersuchung zu dieser Sache betreibe. Heute abend wird die TV-Dokumention der beiden Journalisten Eric Guéret und Laure Noualhat auf dem Fernsehsender ARTE gezeigt. (tpa)