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Technology Review

Strom für die Ärmsten der Welt

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Die malaysische Regierung hat ehrgeizige Pläne: Bis 2015 will sie die gesamte Bevölkerung im malaysischen Teil von Borneo mit Strom versorgen, die größtenteils in schwer zu elektrifizierenden Gegenden lebt. Das sollen sogenannte hybride Mikronetze ermöglichen, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 1/2013 (seit kurzem am Kiosk oder portokostenfrei direkt im Heise Shop erhältlich). Mikronetze bestehen meist aus großen Solarmodul-Anlagen, deren Strom teils etwa in großen Blei-Säure-Batterien gespeichert und teils sofort in dem zu versorgenden Ort verteilt wird. Zur Absicherung werden zudem noch Dieselgeneratoren installiert. Als das malaysische Programm vor zwei Jahren startete, lag die Versorgungsrate bei nur 75 Prozent, Ende 2012 sollten es bereits fast 95 Prozent sein.

Hybride Mikronetze werden der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge eine entscheidende Rolle dabei spielen, bislang unversorgte Gebiete mit Strom zu beliefern. Eineinhalb Milliarden Menschen leben weltweit ohne Elektrizität, die meisten davon auf dem Land. Doch der Anschluss von abgelegenen Gebieten an das normale Stromnetz mit seinen großen, zentralen Kraftwerken ist in vielen Fällen sehr teuer, kann bis zu zehn Jahre dauern – und ist in manchen Fällen aus geologischen oder wirtschaftlichen Gründen gar nicht möglich. Mikroanlagen können die Lücke schließen, indem sie unterschiedliche Stromquellen vor Ort kombinieren. Zudem sind sie weitaus billiger zu bauen und leichter zu erweitern. Einige der bislang größten und fortschrittlichsten Mikronetze wurden in Malaysia installiert, in dem große Gebiete aus dschungelbedeckten Bergen und abgelegenen Inseln bestehen. Das Land kann es sich leisten, als Pionier voranzugehen: Befeuert vom Öl- und Erdgasreichtum wächst seine Wirtschaft seit Jahren kräftig.

Bis die Mikronetze aber wirklich zuverlässig Strom für Hunderte Millionen Menschen liefern können, müssen allerdings noch einige bedeutende Probleme behoben werden. Denn die Erfahrungen in Malaysia zeigen auch, dass der Bau von Mikronetzen langsam und ineffizient verlaufen kann – zum Beispiel weil die örtlichen Versorger nicht immer ausreichend vorbereitet werden. Zudem müssen die Batterien zum Stromspeichern billiger und effizienter werden. An einem solchen Nachfolger arbeitet etwa Aquion, ein Spin-off der Carnegie Mellon University in den USA. Die neue Batterie soll ähnlich arbeiten wie die langlebigen Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos, aber mit deutlich billigerem Material auskommen und einfacher zu produzieren sein. Anders als Blei-Säure-Batterien muss sie zudem nicht gekühlt werden und soll bei gleichem Preis bis zu dreimal länger halten.

Mehr dazu in Technology Review 1/2013:

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