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Stromnetz übersteht Sonnenfinsternis gut

Vor der Sonnenfinsternis am Freitagvormittag war die Sorge vor Versorgungsengpässen in Deutschland groß, schließlich reduzierte sich die Solarleistung massiv und kehrte dann mit großer Geschwindigkeit zurück. Doch die Lage blieb entspannt.

Stromnetz übersteht Sonnenfinsternis gut

Neugierige und das Naturschauspiel in Mainz

(Bild: Franz Ferdinand Photography, CC BY-ND 2.0 )

Trotz Befürchtungen, die teilweise Sonnenfinsternis in Deutschland könne Auswirkungen auf die Stromversorgung haben, ist bislang alles glatt gelaufen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. "Es gab keine Probleme. Wir konnten die Schwankungen in der Solarstromproduktion gut ausgleichen", sagt Andreas Preuß, Sprecher des Dortmunder Netzbetreibers Amprion, der den kompletten Westen Deutschlands über Höchstspannungsleitungen mit Strom versorgt. In den frühen Morgenstunden hatte in Amprions Schaltzentrale in Brauweiler bei Köln allerdings noch große Anspannung geherrscht.

Die verdunkelte Sonne

(Bild:  Dennis Skley, CC BY-ND 2.0 )

Von einer "beispiellosen Herausforderung" für das Management des europäischen Stromnetzes hatte zuvor der Verband der europäischen Stromnetzbetreiber ENTSO-E gesprochen. Bei klarem Himmel würden durch die Sonnenfinsternis in Europa schrittweise bis zu 35.000 Megawatt wegfallen – eine Größenordnung von 150 bis 200 konventionellen Kraftwerken mit mittlerer Größe, hieß es beim Verband.

Doch ob die Energiewirtschaft wirklich mit ernsthaften Problemen rechnete, ist fraglich. Die europäischen Netzbetreiber haben sich akribisch auf das Ereignis vorbereitet. Sie buchten unter anderem Kraftwerke, die schnell zusätzlichen Strom liefern oder bei einem gefährlichen Spannungsanstieg heruntergefahren werden können.

In Deutschland planten die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetzBW insgesamt 8.000 Megawatt an flexibel abrufbarer Regelenergie ein, doppelt so viel wie an normalen Tagen. Außerdem stockte zum Beispiel Amprion das Personal in seiner Schaltzentrale für den Notfall von drei auf zehn Techniker auf. Die Lage blieb aber laut Preuß entspannt. "Der Regelenergie-Bedarf hielt sich im eingeplanten Rahmen." Wäre es beim Neustart der Solarmodule am Freitagvormittag hart auf hart gekommen, hätten die lokalen Stromversorger theoretisch noch mit sogenannten vorauseilenden Abschaltungen reagieren können.

Schaulustige in Mainz

(Bild:  Franz Ferdinand Photography, CC BY-ND 2.0 )

Bei zumeist bestem Wetter hatten Millionen von Menschen in Deutschland am Freitagvormittag die Sonnenfinsternis verfolgt. Viele beobachteten durch gerade noch erhaschte Sonnenfinsternis-Brillen, wie der Mond sich langsam vor die Sonne schob. Andere drängten sich in Sternwarten. Gegen 12 Uhr endete das Spektakel in Deutschland.

Bei der Berliner Archenhold-Sternwarte bildete sich schon vor Beginn des Himmelsschauspiels eine lange Schlange. Auch in Baden-Württemberg freuten sich Menschen: "Wir sehen die Sonnenfinsternis jetzt schon volle Kanne", sagte der Astronom Hans-Ulrich Keller gegen 10.00 Uhr begeistert. Er bot Führungen in der Sternwarte Welzheim bei Stuttgart an. Vom Baby bis zum Großvater sei alles in der Sternwarte vertreten. Das Maximum der Sonnenfinsternis war in Deutschland je nach Ort kurz nach 10.30 Uhr erreicht.

In der Volkssternwarte Hannover verfolgten rund 200 Menschen gespannt das Schauspiel, vor den vier Teleskopen bildeten sich lange Warteschlangen. Die Sternwarte hatte sogar noch rund 50 der vielfach ausverkauften speziellen Brillen im Angebot. Einige Schaulustige hatten sich aus Kartons ihren Schutz selbst gebastelt.

Auf Sylt, wo der Mond die Sonne mit 83 Prozent am stärksten in Deutschland bedeckte, war es jedoch dicht bewölkt. In Hamburg lag die Sonne hinter einem Nebelschleier, der aber gelegentlich aufriss. Auch in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern hatten die Menschen schlechte Sicht auf die Sonne. In NRW gingen einige Himmelsgucker daher etwa auf den Kahlen Asten – mit 842 Meter den zweithöchsten Berg des Bundeslandes. In London und in weiten Teilen Frankreich gab es lange Gesichter: Schlechtes Wetter vermieste dort den Blick auf das Naturphänomen.

Je nach Standort in Deutschland verdeckte der Mond maximal 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe. Ganz dunkel wurde es in Deutschland somit nicht, lediglich etwas düster. Nur in einem schmalen Streifen auf dem Nordatlantik verfinsterte sich die Sonne komplett. Darin liegen die Färöer-Inseln und Spitzbergen.

Die Sonnenfinsternis aus der Sicht des Wettersatelliten METEOSAT 9 in rund 36.000 km Höhe.

Mehr zur Bilanz der Stromversorger in einer Langfassung dieses Artikels:

(mit Material der dpa
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