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StudiVZ gibt Datenschutzversprechen

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Der Betreiber sozialer Netzwerke hat ein "Manifest" vorgestellt, mit dem er die Hoheit der Nutzer über ihre persönlichen Daten stärker betonen und gleiche Spielregeln für alle hierzulande aktiven Online-Communities fordert.

Das Social Network StudiVZ hat ein "Manifest" vorgestellt, mit dem die Hoheit der Nutzer über ihre persönlichen Daten stärker betont und die Konkurrenz zur Übernahme von mehr Verantwortung ermahnt wird. "Wir fordern alle auf, sich an einheitliche Spielregeln zu halten", betonte Markus Berger de Lèon, Geschäftsführer von StudiVZ, am heutigen Dienstag in Berlin. User sollten sich darauf verlassen können, "dass sie überall gleich behandelt werden". Das soziale Netzwerk selbst habe auf seiner Plattform die Aktion "Deine Daten gehören dir" gestartet. Damit verknüpft sei das Datenschutzversprechen, dass alle personenbezogenen Informationen tatsächlich im eigenen Besitz bleiben sollen. Jedes Mitglied könne jederzeit bestimmen, wann die Daten wieder verschwinden. Sie seien "einfach zu löschen" und "tauchen nicht in Suchmaschinen auf".

Das neue Gelöbnis vollzieht die Anforderungen des hierzulande generell geltenden Rechts auf informationelle Selbstbestimmung nach. Das sei "inhaltlich keine neue Forderung", räumte Berger de Lèon ein. "Aber wir haben gesehen, dass die Dinge, die wir für einen Industriestandard halten, nicht selbstverständlich sind." Man habe das Manifest daher bewusst an die Wettbewerber versendet und sehe darin einen "Gesamtaufruf an die Industrie". Auch seien die Datenschutzvorkehrungen vielen Nutzern noch nicht bekannt, erläuterte der Geschäftsführer die weiteren Hintergründe des Manifests. Ihnen solle klarer gemacht werden: "Das Internet vergisst nicht, aber VZ kann vergessen."

Neben der Zusicherung, dass Daten auch bei StudiVZ und den Ablegern SchülerVZ sowie MeinVZ persönliches Eigentum sind, enthält das Manifest drei weitere Punkte. "Nutzer brauchen Transparenz", heißt es an zweiter Stelle. Es dürfe keine "Blankovollmachten" über die Verwendung persönlicher Informationen geben, lautet die Erläuterung. Wer keine personalisierte Werbung wolle, müsse die Option haben, diese Funktion abzuschalten. Wer etwas im Netzwerk verkaufe, müsse die Kosten offen legen.

Weiter postuliert die Deklaration unter der Überschrift "Gleiches Recht für alle", dass die Regeln für soziale Netzwerke gemäß der E-Commerce-Richtlinie nicht davon abhängen dürften, in welchem Land die Server eines Betreibers stehen. Wer hierzulande Dienste anbiete, müsse sich ohne Tricks und Ausnahme an die hiesigen strengen Daten-, Verbraucher- und Jugendschutzbestimmungen halten. "Andere dürfen sich nicht hinter 'Safe Harbor'-Bestimmungen verstecken", verlangte Berger de Lèon und schielte dabei offenbar vor allem in Richtung des US-Konkurrenten Facebook. Abschließend setzt sich das Manifest für eine klare Verpflichtung von Anbietern ein, Jugendlichen "Sicherheit" zu verschaffen und sie "in ihrer Sprache und gemäß ihren Bedürfnissen" über Chancen und Risiken virtueller Kommunikation aufzuklären.

Viele der angesprochenen Bereiche decken sich mit der Selbstverpflichtungserklärung, die neben StudiVZ auch die Lokalisten und wer-kennt-wen.de unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) im März eingegangen sind. Neben der besseren Kommunikation dieser Verpflichtungen nach innen und außen über das Manifest will sich StudiVZ seine Datenschutzpraktiken auch vom TÜV und vom Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) zertifizieren lassen.

Bereits überarbeitet hat die Betreiberfirma die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) bei SchülerVZ. Die Texte seien nun von der jugendlichen Zielgruppe einfacher zu verstehen und übersichtlicher gestaltet. Bei Neuregistrierten sind die Standardeinstellungen ferner künftig so ausgerichtet, dass die Profile für Dritte geschlossen und nur ein Startfoto und der Nutzername sichtbar sind. Als vorteilhaft gegen Cybergrooming in Form des Heranpirschens Pädophiler an junge Nutzer sieht Berger de Lèon zugleich die Abtrennung von SchülerVZ von den anderen beiden Netzwerken im eigenen Haus. Nur nach einer Einladung sei eine Neuanmeldung möglich.

Das Manifest war laut dem StudiVZ-Chef schon lange vor den Abmahnungen von Mitbewerbern durch Verbraucherschützer geplant. Deren juristisches Vorgehen "spielt uns in die Hände", begrüßte Berger de Lèon aber den Schritt. Es sei damit umso wichtiger, selbst Verantwortung zu übernehmen und Farbe zu bekennen. Sonst gehe das Vertrauen der Nutzer in die Branche verloren. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte im Februar 2008 aber auch bereits gegen StudiVZ rechtliche Schritte eingeleitet, falls es seine damals als intransparent bemängelten Geschäftsbedingungen nicht ändern würde. (Stefan Krempl) / (jk)