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Studie: Deutsche Achtklässler bei Digitalkompetenz nur oberes Mittelmaß

Eine Studie stellt deutschen Achtklässlern nur ein mittelmäßiges Zeugnis in Digitalkompetenz aus. Rund ein Drittel kommt nicht über IT-Grundkenntnisse hinaus.

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(Bild: dpa, Julian Stratenschulte)

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Die "Generation Smartphone" in Deutschland ist im Umgang mit digitaler Technik im internationalen Vergleich nur mäßig fit. Das zeigt eine repräsentative Erhebung (International Computer and Information Literacy Study 2018) unter Achtklässlern, die der Staatssekretär des Bundesbildungsministeriums, Christian Luft und der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz (CDU), am Dienstag in Berlin vorgelegt haben. Demnach haben sich die durchschnittlichen "computer- und informationsbezogenen Kompetenzen" der deutschen Achtklässler im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2013 kaum verändert. Deutschland liegt mit 518 Leistungspunkten auf der Skala der Studie weiterhin im Mittelfeld der elf untersuchten Länder – zwar deutlich über dem internationalen Mittelwert (496 Punkte), aber auch klar hinter Finnland, Südkorea und dem Spitzenreiter Dänemark (553 Punkte).

Für die ICILS-Studie wurden im Frühjahr und Frühsommer 2018 mehr als 3500 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen in allen Bundesländern an Computern getestet und zusätzlich befragt. Zudem wurden fast 2500 Lehrer befragt, die Achtklässler unterrichten. Die Schüler mussten zum Beispiel am Computer Bilder bearbeiten oder Präsentationen und Grafiken erstellen, simulierte Internetrecherchen durchführen oder sich in komplexeren Computersimulationen zurechtfinden wie der Steuerung einer Drohne oder eines Schulbusses. Auch die Kommunikation in einem simulierten sozialen Netzwerk oder das vereinfachte Erstellen einer eigenen Internetseite gehörten zu den getesteten Fähigkeiten.

Deutlich wurde dabei, dass jeder dritte deutsche Schüler gerade einmal "rudimentäre" oder "basale" Computerkenntnisse hatte (die beiden niedrigsten von fünf Kompetenzstufen), also zum Beispiel einen Link in einer Email öffnen oder ein Wort in einem Textverarbeitungsprogramm korrigieren konnte, an komplexeren Aufgaben aber scheiterte. Der internationale Vergleichswert lag hierbei allerdings bei 43 Prozent. Der Anteil derjenigen Schülerinnen und Schüler, die die höchste Kompetenzstufe erreichten, lag dagegen mit nur knapp zwei Prozent sogar unter dem internationalen Durchschnitt – in Südkorea schafften das 8,7 Prozent.

Besorgniserregend nannte die Leiterin der Studie, Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn, dass auch im Bereich der digitalen Bildung die soziale Herkunft großen Einfluss auf den Kompetenzstand habe. "Dass der Geldbeutel der Eltern entscheidet, ob man in der digitalen Welt mithalten kann oder nicht, ob man einen Arbeitsplatz findet, der den eigenen Wünschen entspricht, ob man merkt, was im Internet Propaganda ist und was nicht – da hat man Sorge, was die Stabilität der Gesellschaft angeht", sagte sie bei der Vorstellung der Ergebnisse. Im Schnitt waren die Ergebnisse von Schülern aus sozioökonomisch weniger privilegierten Elternhäusern mit einem Abstand von rund 50 Leistungspunkten deutlich niedriger; im Vergleich der Schulformen lagen Gymnasien mit einem Plus von 75 Punkten sogar klar vorne. Die sozialen Unterschiede innerhalb Deutschlands waren dabei größer als die durchschnittlichen Abstände zu anderen Ländern.

Auch zwischen den Geschlechtern zeigten sich wie schon 2013 leichte Unterschiede: In Deutschland lagen dabei Mädchen durchschnittlich 16 Punkte vor ihren männlichen Altersgenossen. Im Hinblick auf fortgeschrittene Fähigkeiten wie das Erstellen von Webseiten oder das Einrichten eines LAN-Netzwerks schätzten sich Jungen dabei allerdings selbst deutlich kompetenter ein, als ihre tatsächlichen Testergebnisse belegten.

In der Studie wurden auch die technischen Rahmenbedingungen an den Schulen abgefragt. Dass in Deutschland nur knapp 23 Prozent der Achtklässler nach eigenen Angaben mindestens einmal in der Woche digitale Medien in der Schule zu Lernzwecken benutzen, aber fast doppelt so viele diese Medien außerhalb der Schule für Hausaufgaben oder ähnliches einsetzen, deutet darauf hin, dass die Ausstattung und der Medieneinsatz an deutschen Schulen immer noch stark hinterherhinken. Mit diesem Wert steht Deutschland auf dem vorletzten Platz der an der Studie teilnehmenden Länder – in Dänemark gaben mehr als 80 Prozent der Schüler an, digitale Medien in der Schule sogar jeden Tag zu benutzen. Immerhin hat sich der Anteil der befragten Lehrer, die angaben, digitale Medien täglich einzusetzen, im Vergleich zu 2013 von unter zehn auf etwa 23 Prozent mehr als verdoppelt. (Mit Material der dpa) / (siko)