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Studie: Deutsche Filmindustrie verliert jährlich rund 190 Millionen Euro Umsatz durch illegale Filmkopien

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Marketingwissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Hamburg haben eine nach eigenen Angaben unabhängige Studie vorgelegt, die sich mit den Auswirkungen des Filesharing von auf die Filmwirtschaft auseinandersetzt. Prof

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass illegale Filmkopien allen wichtigen Vertriebskanälen für Spielfilme in Deutschland schaden: den Kinos, dem DVD-Verleih und dem DVD-Verkauf. Zudem verdrängten illegale Kopien im Kino 12,6 Prozent zusätzlicher Kinobesuche, was bezogen auf das Jahr 2005 94 Millionen Euro Umsatz im Jahr entspräche.

Die DVD-Verleihumsätze würde ohne illegale Filmdownloads knapp elf Prozent höher ausfallen, woraus die Autoren der Studie für die Filmbranche einen Verlust von 28 Millionen Euro im Jahr errechnen. Mehr gekauft würden ohne Tauschbörsen sogar fast 15 Prozent mehr DVDs, sodass den Studios im Jahr 2005 rund 71 Millionen Euro an der Ladentheke entgangen sind, heißt es. Insgesamt gingen der Filmindustrie in Deutschland somit über 190 Millionen Euro pro Jahr verloren.

Eines der Hauptprobleme ist laut Professor Dr. Thorsten Hennig-Thurau, Hauptautor der Studie und Leiter des Weimarer Moviesuccess-Forschungscenter: Bei jemandem, der sich einmal vorgenommen habe, "einen neuen Film als Raubkopie anzuschauen, ist es beinahe egal, ob er später die Kopie auch tatsächlich in die Hände bekommt – er ist für das Kino und für die DVD als Kunde oft schon verloren“.

Je mehr Konsumenten die kopierten Filme als Sammlerobjekte sähen, desto stärker werde auch der Vorsatz, sich Kopien zu beschaffen. Außerdem spiele der Wunsch, der Filmindustrie zu schaden, eine signifikante – wenn auch geringere – Rolle. Moralische Bedenken der Befragten stehen über den in den Abschreckungsversuchen der deutschen Filmindustrie in den Mittelpunkt gestellten rechtlichen Risiken. Hennig-Thurau kommt daher zu dem Schluss, dass die bisherigen Kampagnen der Filmbranche, illegalen Kopien vorzubeugen, falsch aufgestellt seien.

Wie die Forscher herausgefunden haben, scheitert der Kinobesuch nicht zuletzt häufig an den hohen Nebenkosten. Wenn das Kino Kunden aus der Illegalität zurückgewinnen wolle, müsse es versuchen, die Begleitkosten des Kinobesuchs zu senken. "Parkgebühren, Popkorn-Preise et cetera summieren sich heute leicht zu astronomischen Beträgen auf. Da greift der Kunde schnell auf die Raubkopie zurück", so Hennig-Thurau.

Für die Studie "Consumer File Sharing of Motion Pictures" (Journal of Marketing, Vol. 71 Oktober 2007, S. 1-18) von Dr. Thorsten Hennig-Thurau, Victor Henning – beide Professoren für Marketing und Medien an der Bauhaus-Universität Weimar – und Prof. Dr. Henrik Sattler, Lehrstuhl für Marketing an der Universität Hamburg, wurden 1100 Personen in Deutschland befragt. Während des Befragungszeitraums von zehn Monaten wurden die Studienteilnehmer mehrfach befragt und deren Kinobesuche, DVD-Käufe und -Ausleihvorgänge sowie der Konsum von illegalen Kopien bei 25 Spielfilmen gemessen, die im Frühjahr 2006 in deutschen Kinos gestartet waren. (vza)

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