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Studie: Deutschland braucht eine "erstklassige digitale Infrastruktur"

Rechenzentren sind neben Breitband das Rückgrat der Digitalisierung, betonen die Verfasser einer Studie. Die Bedingungen seien hierzulande aber "suboptimal".

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Rechenzentrum

(Bild: dpa, Jens Wolf)

Die Autoren einer am Dienstag veröffentlichten Studie zur "Bedeutung digitaler Infrastrukturen in Deutschland" schlagen Alarm. Laut der Untersuchung stellen Rechenzentren gemeinsam mit einer leistungsfähigen Breitbrandinfrastruktur "das Rückgrat der Digitalisierung dar und haben einen wesentlichen Einfluss auf die aktuelle und künftige wirtschaftliche Entwicklung". In diesem Bereich seien zwar vor allem in den Jahren 2014 bis 2017 große zusätzliche Kapazitäten hierzulande aufgebaut worden. Dennoch nehme der Anteil Deutschlands an den weltweiten Kapazitäten für Datenzentren vor allem gegenüber Nordamerika und Asien "kontinuierlich ab".

Die Analyse hat eine neue "Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland " beim Berliner Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Auftrag gegeben, zu der sich Rechenzentrumsbetreiber, Softwarehersteller und weitere Firmen unter dem Dach des eco-Verbands der Internetwirtschaft zusammengeschlossen haben.

Den Verfassern zufolge sind die verschiedenen Ebenen digitaler Infrastrukturen hierzulande "unterschiedlich gut ausgebildet". Während bei den Breitbandanschlüssen von Unternehmen und Haushalten im weltweiten und europaweiten Vergleich deutlicher Nachholbedarf herrsche, stelle sich die Situation bei den Internetaustauschknoten und Rechenzentren deutlich besser dar. Mit dem De-CIX sitze in Frankfurt gemessen am Datendurchsatz der größte Internetknoten der Welt. Parallel würden gegenwärtig jährlich mehr als acht Milliarden Euro in den Bau, die Modernisierung und in die IT von Rechenzentren investiert. Davon hingen insgesamt mehr als 200.000 Arbeitsplätze ab.

Bei den Standortfaktoren punkte Deutschland mit der vorhandenen Stromversorgungsinfrastruktur, der Anbindung an Internetknoten sowie den Themen Datenschutz und IT-Sicherheit deutlich. Abgeschlagen sei die Bundesrepublik dagegen in den Bereichen Fachkräfteverfügbarkeit, Strompreise und der Dauer von Genehmigungsprozessen. Während skandinavische Länder wie Schweden und Norwegen sowie China bewusst versuchten, die Betreiber von Datenzentren anzulocken, sei das für die Bundesregierung bislang kein Thema. Allenfalls einzelne Bundesländer wie Hessen machten sich darüber Gedanken.

Der Sprecher der Allianz Béla Waldhauser, erläuterte bei der Präsentation der Studie, dass es derzeit rund 50.000 Rechenzentren in Deutschland gebe. Sie gehörten zu den energieeffizientesten weltweit, ihr Energiebedarf entspreche trotzdem mit 12,4 Milliarden kWh pro Jahr etwa 2,3 Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs. Ein Schwachpunkt sei, dass "wir beim Strompreis mit an der Spitze liegen". In anderen Ländern gebe es hier Subventionen für Datenzentren, berichtete der Geschäftsführer der Firma Telehouse. Viele Anbieter würden daher mehr Anlagen etwa nach Skandinavien verlagern. Die Politik müsse so leistungsfähige digitale Infrastrukturen endlich "als maßgeblichen Faktor für den Wirtschaftsfaktor anerkennen".

Die Allianz hat daher einen Plan mit zehn politischen Forderungen aufgestellt. Demnach ist der "rasche Ausbau flächendeckend verfügbarer Breitbandnetze alternativlos", sodass neben der Wirtschaft die Bundesregierung hier einen Zahn zulegen müsse mit ihrem Förderprogramm. Die Politik müsse zudem mit einer "konsistenten Strategie" den Rechenzentrumsstandort stärken und weiterentwickeln. Teil davon sollte die gezielte Ansiedlung leistungsfähiger und energieeffizienter Cloud-Computing-Verbünde sein, um etwa im Bereich Künstliche Intelligenz eine zentrale Infrastrukturrolle einnehmen zu können. (Stefan Krempl) / (axk)

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