Studie: Die Entwickler hinter dem Unix/Linux-Desktop KDE

Auf der KDE-Entwicklerkonferenz im tschechischen Nové Hrady stellte Andreas Brand Ergebnisse aus dem Projekt "Elektronische Arbeitsmärkte" vor.

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Von
  • Michael Renner

Auf der KDE-Entwicklerkonferenz im tschechischen Nové Hrady stellte Andreas Brand Ergebnisse aus dem Projekt "Elektronische Arbeitsmärkte" vor. Der Soziologe an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt untersuchte, was die Entwickler der freien Benutzeroberfläche KDE für Unix- und Linux-Systeme verbindet und wie deren Zusammenarbeit funktioniert.

Dabei scheinen zunächst viele Vorurteile bestätigt zu werden: Der durchschnittliche KDE-Entwickler ist zwischen 20 und 30 Jahre alt, Single und meist Student der Naturwissenschaften oder Angestellter einer IT-Firma. Pro Woche werden zwischen 30 Minuten und 90 Stunden in das KDE-Projekt investiert. Durchschnittlich sind es 15 Wochenstunden, die eingebracht werden. Neben der reinen Programmierung nimmt die Kommunikation mit anderen Entwicklern einen großen Teil der Zeit in Anspruch. Die meisten der knapp 800 an KDE beteiligten Personen kommen aus Deutschland. Weniger stark vertreten sind Entwickler aus den restlichen Ländern Europas und aus den USA. Lediglich vier Entwickler werden von dem Unternehmen, bei dem sie angestellt sind, dafür bezahlt, um an KDE mitzuwirken -- dies sind fast ausschließlich Mitarbeiter von Unternehmen, deren Produktpalette mit KDE verbunden ist.

Einen hohen Stellenwert nimmt für die freiwilligen Mitarbeiter das Programmieren (Stichwort "Bastlermentalität"), die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und der Stolz auf das eigene Programm ein; dazu kommt die Ablehnung von Microsoft-Produkten. Weniger wichtig sind den Entwicklern Lizenzfragen, Fragen freier Software, die Verbesserung der eigenen Jobchancen und die Mehrung der Anerkennung für das KDE-Projekt.

Auch bei der KDE-Entwicklung gibt es eine Hierachie, die den inneren Zirkel der Entwickler -- diejenigen, die schon lange entwickeln und viele Zeilen Code einbrachten -- vom äußeren Zirkel -- etwa den Programmierern kleinerer Applikationen -- abgrenzt. Eine eigene Gruppe sind die Übersetzer der Applikationen, die in vielen Fällen nicht einmal Schreibrechte auf die Programmquellen besitzen und ihre Sprachanpassungen über den Koordinator des Übersetzungsteams einbringen müssen. (Michael Renner) / (jk)