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Studie: Die deutsche E-Government-Misere weitet sich aus

Die ohnehin schon niedrige Nutzungsquote bei elektronischen Verwaltungsdiensten ist 2017 genauso wie die Zufriedenheit der verbliebenen Anwender gesunken. Den neuen Personalausweis können nur fünf Prozent der Deutschen voll nutzen.

Studie: Die deutsche E-Government-Misere weitet sich aus

(Bild: dpa / Stephanie Pilick)

Das sich seit Jahren manifestierende Trauerspiel beim E-Government hierzulande setzt sich unvermindert fort: 2017 nutzen nur noch 41 Prozent der Deutschen elektronische Verwaltungsdienste, während es im Vorjahr noch 45 Prozent waren. Zufrieden sind mit den digitalen Angeboten der Behörden nur noch 54 Prozent der Anwender – 2016 lag die Quote bei 62 Prozent. Das sind die Kernzahlen des E-Government-Monitor 2017, den die Initiative D21 und das Forschungsinstitut Fortiss am Freitag im Bundesinnenministerium präsentiert haben.

In den Vergleichsländern Österreich und Schweiz liegt die E-Government-Nutzung erneut deutlich höher, dort besuchten Bürger und Unternehmen das digitale Rathaus zu 74 beziehungsweise 61 Prozent. Die Zufriedenheit mit den Angeboten ist aber auch dort leicht rückläufig. Für die repräsentative Studie, die seit 2012 jährlich erstellt wird, hat das Markforschungsinstitut Kantar TNS im Juli jeweils rund 1000 Online-Interviews in den drei untersuchten Ländern durchgeführt.

Als Hauptgründe für die hiesige Misere machen die Studien-Verfasser aus, dass Online-Dienste der Verwaltung rund der Hälfte der Bürger noch immer nicht bekannt seien. Ebenfalls 48 Prozent der Teilnehmer bemängelten, dass sie sich zusätzliche Hardware beschaffen müssten, wenn sie die Dienste nutzen wollten. 47 Prozent beklagen, dass sich der Behördengang auch bei elektronischen Verwaltungsdiensten nicht ganz erübrigen lasse.

Auch die Bedenken rund um Datenschutz und Informationssicherheit sind nach einem deutlichen Rückgang 2016 wieder gestiegen. 55 Prozent der Deutschen sorgen sich dieses Jahr vor dem Szenario des "gläsernen Bürgers", genauso viele vor mangelnder Sicherheit bei der Datenübertragung. Beide Werte sind um sieben Prozentpunkte gestiegen. 54 Prozent haben Angst vor Datendiebstahl bei einem Plus von vier Zählern.

Auf wenig Resonanz stößt so das von der EU-Kommission vorangetriebene Prinzip "Once Only", wonach Bürger ihre Daten nur noch einmal bei einer Behörde eingeben müssten. 32 Prozent der Deutschen befürworten dieses Prinzip bei nationalen Stellen, nur 14 Prozent erachten es EU-weit für positiv.

Hauptgründe für eine künftig stärkere Nutzung des digitalen Rathauses bleiben die Zeit- und Kostenersparnis. Vor allem in Situationen wie der Geburt eines Kindes oder eines Umzugs wünschen sich die Bürger, durch automatisierte Prozesse entlastet zu werden. Die deutschen Teilnehmer wünschen sich zu 56 Prozent auch eine schnellere Bearbeitung ihrer Anliegen, 51 Prozent setzen auf geringere Gebühren im Vergleich zum Vor-Ort-Service und 47 Prozent wollen den aktuellen Status eines Verwaltungsakts online abfragen können.

Der neue Personalausweis, der vielfach als Schlüssel zur digitalen Verwaltungswelt gesehen wird, verbreitet sich parallel nur schleppend und wird kaum im Internet eingesetzt. 49 Prozent der Bundesbürger besitzen inzwischen ein solches Dokument. Aber nur fünf Prozent der Bevölkerung können den Ausweis vollumfänglich nutzen, haben also auch ein Lesegerät für die Online-Verfahren zum elektronischen Identitätsnachweis (eID). Im Vorjahr lag der Wert bei vier Prozent. 58 Prozent der Befragten geben an, die eID-Funktion selbst nach Freischaltung noch nie genutzt zu haben.

Der IT-Beauftragte der Bundesregierung, Klaus Vitt, räumte ein, dass der Gesetzgeber und die Exekutive viele Anstrengungen zur Modernisierung der Verwaltung unternommen hätten, "aber nicht flächendeckend und nicht konsequent genug". Der geplante Verbund der Verwaltungsportale von Bund, Ländern und Kommunen solle nun Abhilfe schaffen. "Die digitalen Angebote des Staates hinken hinter den sich weiterentwickelnden Nutzenerwartungen her", konstatierte D21-Präsident Hannes Schwaderer. (Stefan Krempl) / (anw)

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