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Studie: Digitale Gesellschaft für viele Deutsche "noch keine Realität"

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Laut einer Studie der Initiative D21 können nur 26 Prozent der Online-Nutzer hierzulande zu den "souveränen" Netzbürgern gezählt werden. 35 Prozent werden als "digitale Außenseiter" und 30 Prozent als Gelegenheitssurfer bezeichnet. "Die digitale Gesellschaft ist für den Großteil der Deutschen noch keine Realität", erklärte Robert Wieland vom Marktforschungsinstitut TNS Infratest, das für die Untersuchung im Dezember 1014 Telefoninterview durchführte, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag in Berlin. Nur jeder vierte Deutsche sei wirklich drin im Netz, 74 Prozent blieben nach wie vor mehr oder weniger außen vor.

Laut dem aktuellen (N)onliner-Atlas von D21 verfügen zwar knapp 70 Prozent der Deutschen über einen Zugang zum Internet, auf Basis der jetzt präsentierten Typologie gehören 35 Prozent davon aber zu den "digitalen Außenseitern" und stellen damit die größte der sechs ausgemachten Nutzergruppen. Diesen Typus charakterisiert laut Wieland "höchstens eine gewisse Suchkompetenz". Er sei durchschnittlich 63 Jahre, zu 66 Prozent weiblich und der "typische Rentner". Dieser genieße es, "die Zeitung zu lesen", habe aber "Angst vor dem Netz".

Die Rasterung nahm TNS Infratest anhand von Faktoren wie vorhandene Infrastruktur, Kompetenz, Wissen, Nutzungsvielfalt und -intensität sowie Einstellungen zur Online-Welt vor. Dazu sei unter anderem die Kenntnis von Fachbegriffen wie "Trojaner" abgefragt worden, erläuterte Wieland. 30 Prozent der Onliner hätten sich so als "Gelegenheitsnutzer" herauskristallisiert. Diese seien im Durchschnitt knapp 42 Jahre alt und würden sich gut mit Bürosoftware und mit Suchmaschinen auskennen. Beim Thema "Sicherheit" hätten sie aber großen Nachholbedarf. Sie kennzeichne außerdem eine überwiegend einfache Bildung und ein leicht erhöhter Frauenanteil. Insgesamt fühlten sie sich "nicht gut aufgehoben im Netz".

Durchschnittlich fast gleich alt ist der typische "Berufsnutzer", der mit neun Prozent vertreten ist. Angehörige dieser Gruppe könnten mit Begriffen wie Betriebssystem und Datensicherheit etwas anfangen, erläutete Wieland. "Sobald es schwieriger wird, rufen sie aber den Systemadministrator." Sie seien so "bei weitem noch nicht in der digitalen Gesellschaft angekommen".

Die Übergruppe der "digital Souveränen" setzt sich aus elf Prozent "Trendnutzern", zwölf Prozent "digitalen Profis" und drei Prozent "digitale Avantgarde" zusammen. Erstere zeichnet mit 78 Prozent der höchste Männeranteil aus. Darüber hinaus gehören dazu 13 Prozent Schüler. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 36 Jahren. Die Leute hier könnten mit den abgefragten Begrifflichkeiten "etwas anfangen", sagte Wieland. Das Netz sei aber "nicht alles für sie". Der iPod sei dabei, zudem würden vor allem Web-2.0-Anwendungen genutzt, "soweit es geht".

Die "Profis" sind vergleichbar alt, sicher, vertraut im Umgang mit allen erdenklichen Internetanwendungen, überwiegend männlich, hoch gebildet und gut verdienend. Ihr typisches Gerät sei der Blackberry, meinte Wieland. Zudem lese diese Gruppe viel und häufig Nachrichten im Netz und versuche, "günstige Preise" im E-Commerce zu finden. Bei der "Avantgarde" stehe dagegen der "Spaßfaktor" im Vordergrund. Sie wolle "Musik hören" und in den sozialen Netzwerke vorn dabei sein. Der Bildungsgrad sei ähnlich hoch wie bei den Profis, Einkommen und Alter aber niedriger. Insgesamt bestehe die "digitale Spaltung" zwischen Männern und Frauen, Gut- und Wenigverdienern sowie Jung und Alt weiter. (Stefan Krempl) / (pmz)

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