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Studie: E-Government und Digitalausweis kommen nicht in die Gänge

40 Prozent der Deutschen nutzen digitale Verwaltungsdienste – erneut weniger als im Vorjahr. Die eID im Ausweis kann sich nicht durchsetzen.

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Studie: E-Government und Digitalausweis kommen nicht in die Gänge

(Bild: Initiative D21)

In den vergangenen zwölf Monaten nutzten 40 Prozent der Bundesbürger mindestens ein digitales Verwaltungsangebot. Das ist ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr und fünf Prozentpunkte weniger als 2016. Das Lagebild, das die Initiative D21 und das Forschungsinstitut Fortiss am Dienstag mit dem "E-Government-Monitor 2018" im Bundesinnenministerium vorgestellt haben, wird auch kaum dadurch aufgehellt, dass die Zufriedenheit der wenigen deutschen Anwender um einen Zähler auf 58 Prozent gestiegen ist.

In den Vergleichsländern Österreich und Schweiz besuchten Bürger und Unternehmen das digitale Rathaus zu 74 beziehungsweise 55 Prozent. Die Quote sinkt damit aber auch in der Schweiz im Vergleich zu 2017, und zwar um sechs Punkte, während sie in Österreich stagniert. Die Zufriedenheit mit elektronischen Verwaltungsdiensten kann in Deutschland zu keinem Zeitpunkt mit dem Niveau der beiden Nachbarländer mithalten.

Für die repräsentative Studie, die seit 2012 jährlich erstellt wird, hat das Markforschungsinstitut Kantar TNS im Sommer jeweils über 1000 Online-Interviews in den drei Ländern durchgeführt.

Insbesondere hierzulande seien bisher jenseits der elektronischen Steuererklärung zu wenig Verwaltungsdienste durchgehend online möglich und weithin bekannt. Es sei nicht gelungen, Vorteile wie Zeitersparnis aufzuzeigen, ist dem Bericht zu entnehmen. E-Government werde immer noch zu wenig aus Sicht der Bürger entwickelt. Für mehr als jeden dritten Onliner in Deutschland sprechen auch immer noch Sorgen um Datenschutz oder IT-Sicherheit dagegen, Online-Behördenservices zu nutzen.

Mit 69 Prozent besitzen inzwischen mehr als zwei Drittel der deutschen Onliner einen "neuen" Personalausweis, 20 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 22 Prozent der Nutzer haben sich den elektronischen Identitätsnachweis (eID) freischalten lassen, 32 Prozent nicht und sechs Prozent ließen die Funktion gezielt deaktivieren – entgegen der seit Juli 2017 in Kraft getretenen gesetzlichen Voreinstellung. Sechs Prozent der Bevölkerung können den Ausweis vollumfänglich nutzen, haben also auch ein Lesegerät für die Online-Verfahren.

Der Ausbau von Verwaltungsdiensten sei in der Vergangenheit "langsam" verlaufen, gab Klaus Vitt zu, IT-Beauftragter der Bundesregierung. Mit dem Online-Zugangsgesetz und dem geplanten Verbund an E-Government-Portalen habe die Digitalisierung der Behörden jedoch inzwischen auf allen föderalen Ebenen stark an Fahrt aufgenommen.

Das mit den Portalen verknüpfte "Bürgerkonto" stößt bislang aber noch auf keine "flächendeckende Akzeptanz". Über das Angebot könnten Nutzer künftig nach dem "Once-Only-Prinzip" Zugriffsrechte gewähren, sodass sie ihre Unterlagen nur einmal einreichen müssten. In allen drei Vergleichsländern sind die Bürger aber skeptisch. Je persönlicher und sensibler die Dokumente sind, desto geringer ist die Bereitschaft, sie zu hinterlegen. Vor allem medizinische Unterlagen wie ärztliche Befunde wollen die Befragten eher nicht auf einem zentralen Konto deponieren. (Stefan Krempl) / (anw)

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