Studie: E-Sport schadet dem Schlaf

In einer Untersuchung der Deutschen Sporthochschule zu Gesundheit und Fitness schnitten die Computerspieler passabel ab. Verbesserungsbedarf gibt es dennoch.

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(Bild: Lenscap Photography/Shutterstock.com)

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Je mehr Zeit junge Menschen mit Computerspielen verbringen, umso schlechter ist die persönliche Gesundheitswahrnehmung. Dies ergab eine Studie Deutschen Sporthochschule in Köln. Noch bewegen sich die Werte aber im unkritischen Bereich.

An der Befragung hatten insgesamt mehr als 1200 E-Sport-Amateure und -Profis teilgenommen. In der Befragung im Vorjahr hatte knapp die Hälfte der eSportler angegeben, das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Minimum von 2,5 Stunden körperlicher Aktivität pro Woche einzuhalten. In der diesjährigen Studie waren es rund 80 Prozent der Befragten. Damit bewegen sich die E-Sportler über dem Bevölkerungsschnitt. Allerdings waren die Befragten im Schnitt 23 Jahre alt – in diesem Alter ist eigentlich eine noch höhere Aktivität zu erwarten.

"Wir haben den Eindruck, dass viele Menschen bewusst mit den Gaming-Zeiten umgehen", betonte Professor Ingo Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention. Hobby-E-Sportler kommen im Schnitt auf knapp vier Stunden Computerspiele täglich, bei Profis sind es knapp sechseinhalb Stunden. Problematisch daran ist, dass sich diese sitzende Aktivität summiert.

Viele Befragte sitzen darüber hinaus in Ausbildung und Beruf einen großen Teil des Tages und verbringen auch sonst viel Zeit an Bildschirmen, zum Beispiel wenn sie sich Streams angucken oder sich mit Messenger-Diensten beschäftigen. Immerhin: Der Fernsehkonsum ist unter den Befragten weit unter dem Schnitt der Bevölkerung. Er schlägt im Schnitt mit 20 Minuten am Tag zu Buche – noch weniger Zeit als die im Schnitt 23 Jahre alten Befragten mit Print-Medien verbringen. Über 50-Jährige verbringen hingegen mehr als fünf Stunden täglich vor dem Fernseher.

Der Lebensstil der E-Sportler schlägt auf die Dauer auf die Gesundheit. Zwar geben in der Umfrage 7,2 Prozent der Teilnehmer an, dass sie bei schlechter Gesundheit sind. Dieser Eindruck verstärkt sich jedoch, je länger die Befragten vor dem Computer sitzen. "Die gefundenen Zusammenhänge sind statistisch zwar als schwach zu klassifizieren, deuten jedoch in dieselbe Richtung wie die zuvor genannten Studien", heißt es in der neuen Studie. Um eine direkte Kausalität nachzuweisen, genügten die Befunde jedoch noch nicht.

Im Vergleich zur Vorjahresstudie hat sich das dokumentierte Schlafverhalten gebessert. Die Befragten gaben an, an Werktagen 7,4 Stunden zu schlafen und am Wochenende sogar 8,3 Stunden. Das Problem dabei ist die Verteilung: E-Sportler müssen sich oft nach internationalen Zeitplänen richten, was schlecht mit dem normalen Tagesablauf in Deutschland zu vereinbaren ist. Die Hälfte der Befragten geht erst zwischen ein Uhr und vier Uhr morgens schlafen. Das mindert die Regenerationsfähigkeit.

Professor Froböse (rechts) zog bei der Vorstellung der Studie in Köln ein vorsichtig optimistisches Fazit, sieht aber Verbesserungsbedarf.

(Bild: heise online/Torsten Kleinz)

Knapp die Hälfte gibt an, Stress zu empfinden, bei 2,2 Prozent ist es sogar hoher Stress. Parallel empfinden die E-Gamer die Zeit vor dem Computer aber nicht als isolierend. Die große Mehrheit gibt an, oft Zeit mit Freunden zu verbringen. Dazu zählt aber wohlgemerkt auch Zeit in Online-Spielen.

Professor Ingo Froböse zog in Köln ein vorsichtig optimistisches Fazit. Der ermittelte Body-Mass-Index entspreche im Wesentlichen der Gesamtbevölkerung und sei daher von sich aus nicht besorgniserregend. Bei E-Sportlern würden zwar oft sitzende Tätigkeiten beklagt, davon sei aber inzwischen die gesamte Gesellschaft betroffen. Allerdings böten die Ergebnisse auch keinen Grund zum Jubeln: Verbesserungspotenzial gebe es in allen Kategorien.

Zusammen mit der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg wollen die Forscher in den kommenden Jahren Konzepte entwickeln, um den E-Sportlern bessere Anleitungen zu geben, wie sie ihre Gesundheit auf Dauer bewahren können. Entsprechende Programme werden derzeit an fünf Schulen erprobt, um zusammen mit Schülern und Eltern das Problem zu thematisieren.

In den Trainer-Ausbildungen, wie sie der E-Sport-Verband ESBD anbietet, sieht Froböse zwar einen ersten Schritt. Doch hier kämen sportliche Inhalte derzeit noch deutlich zu kurz. Es würden häufig nur ehemalige E-Sport-Profis als Trainer eingesetzt, die außer der Spielkompetenz nur relativ wenig von der Führung von Athleten wüssten. Hier seien die Sportwissenschaften gefragt: "Wenn man noch nicht weiß, welche Inhalte man ausbilden will – was soll man dann ausbilden?", sagte Froböse gegenüber heise online.
(mjo)