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Studie: Fehler bei Bildung und Forschung gefährden Wirtschaftskraft

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Versäumnisse in der Schul- und Hochschulpolitik der Länder sowie falsches Sparen bei der Forschung gefährden nach Auffassung namhafter Wirtschaftswissenschaftler die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands. In einem Gutachten für die Bundesregierung beklagen sie Mängel beim naturwissenschaftlichen Schulunterricht, zu geringe Akademikerzahlen und fehlenden Mut von Unternehmen und Staat bei Investitionen in neue Forschungen und Entwicklungen. Unterdessen lehnten am Mittwoch die unionsgeführten Länder die vom Bund angebotene Vereinbarung über eine Finanzhilfe von 4 Milliarden Euro zum Aufbau von 10.000 Ganztagsschulen ab. Die vom Bund angebote Hilfe geht zurück auf das Wahlversprechen von Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Ländern nach dem Desaster der PISA-Studie beim Ausbau der Ganztagsschulen zu helfen.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn kündigte bei der Vorstellung des Berichts an, sie wolle um weitere Etaterhöhungen des Bundes für Bildung und Forschung kämpfen. Der Bund habe seit 1998 seine Zukunftsinvestitionen um mehr als ein Viertel erhöht.

"Wer in fünf Jahren gute Geschäfte machen will, muss heute Geld für neue Entwicklungen ausgeben", bilanzieren die Autoren einer Arbeitsgemeinschaft mehrerer Wirtschaftsforschungs-Institute in ihrer Analyse. Aktuelle Probleme bei Forschung und Entwicklung sehen sie vor allem bei den deutschen Hightech-Unternehmen der Informations- und Kommunikationsbranche, deren Aufholjagd abgebremst sei.

"Wer aber hochwertige Produkte produzieren will, braucht auch hochwertig ausgebildete Schul- und Hochschulabsolventen", sagte der Wirtschaftsforscher Harald Legler. Die Studie verweist darauf, dass in Deutschland nur etwa ein Drittel eines Jahrganges eine akademische Ausbildung anstrebt, im Schnitt der westlichen Industrieländer sind dies 45 Prozent. Anwerbung von Akademikern aus dem Ausland könne auf Dauer keine Lösung sein. Insbesondere fehlten in Deutschland Fachkräfte mit naturwissenschaftlich-technischer Ausbildung.

Auch bei Forschung und Entwicklung sei Deutschland im internationalem Wettbewerb Anfang bis Mitte der 90er Jahre "in ein tiefes Loch gefallen", aus dem es nur langsam hervorkomme, sagte Hariolf Grupp vom Fraunhofer-Institut für Innovationsforschung. Andere Staaten würden auch mehr in Bildung und Forschung investieren. Die Wissenschaftler stellen fest, dass der Bund mit seiner Bafög-Erhöhung eine deutliche Steigerung der Studentenzahlen bewirkt hat und seit vier Jahren erheblich mehr Mittel für Forschung ausgebe. Angesichts der schwierigen Haushaltslage in Bund und Ländern stünden Bildung, Forschung und Innovation jetzt aber "vor einer Nagelprobe".

Für die in fast zwei Jahrzehnten "aufgestauten Defizite" machten die Wissenschaftler auch "unklare Bund-Länder-Zuständigkeiten" verantwortlich. Sie warnten vor neuen Kompetenzdebatten. Bulmahn kritisierte dabei die Ankündigung der Unionsländer vom Vortag, künftig aus der gemeinsamen Bildungsplanung aussteigen zu wollen. Deren Bildungssprecher, Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair, kündigte am Mittwoch an, die Unionsländer würden die von Bulmahn angebotene Ganztagsschul-Vereinbarung in dieser Form nicht akzeptieren. "Der Bund will nach seiner einmaligen, auf vier Jahre befristeten Investitionshilfe für den Schulausbau die Länder anschließend auf riesigen Personalkosten sitzen lassen", sagte Zehetmair.

Die Länder benötigten dauerhaft mehr Geld zur Finanzierung der gewachsenen Bildungsansprüche. So könne dafür beispielsweise der Anteil der Länder am Mehrwertsteuer-Aufkommen für die dauerhafte Förderung von Ganztagsangeboten erhöht werden. Dies würde die Finanzierung der Ganztagsschulen auch über das Jahr 2007 hinaus sicherstellen. Zehetmair: "Nach der Verfassung sind die Länder für die Schulpolitik zuständig, und wir werden uns nicht vom Bund vorschreiben lassen, in welchen Teil der Schulfinanzierung zusätzliche Mitteln fließen." (dpa) / (dpa) / (anw)

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