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Studie: Glasfaserausbau würde allein in Bayern mehrere Milliarden kosten

Gigabit-Internet über Glasfaser ist nicht für wenige Euro zu haben. In Bayern soll der Breitbandausbau einer Studie zufolge 11 Millliarden kosten, aber nur 1,5 Milliarden stehen zur Verfügung. Die Grünen fordern, die Breitbandförderung zu überdenken.

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(Bild: dpa, Peter Kneffel)

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Glasfaseranschlüsse für jeden Haushalt in Bayern würden rund elf Milliarden Euro kosten. Das geht aus einer Studie des wissenschaftlichen Instituts für Internet und Kommunikationsdienste (WIK) im Auftrag der Grünen-Landtagsfraktion hervor, die am Freitag in München veröffentlicht wurde. Bisher bestehe der Zugang zu schnellem Internet vor allem aus aufgerüsteten TV-Kabelanschlüssen. Nicht einmal jeder zehnte Haushalt im Freistaat (9,3 Prozent) verfüge über einen leistungsstärkeren, gigabitfähigen Glasfaseranschluss – und die meisten dieser Anschlüsse gebe es in Städten.

"Schnelles Internet in der Stadt, Ruckelvideos auf dem Land: Das ist nicht nur eine Service-, sondern vor allem eine Gerechtigkeitslücke", kritisierte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann. Der zuständige Finanzminister Markus Söder (CSU) habe über viele Jahre die falschen Ausbauanreize gesetzt. Hartmann forderte den Umbau des aktuellen Breitbandförderprogramms. "Damit nicht noch mehr Steuergelder fehlgeleitet werden."

Die Staatsregierung stellt für den Breitbandausbau 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. 97 Prozent der Kommunen sind der Regierung zufolge in das Förderprogramm eingestiegen. Nach Abschluss der bereits genehmigten Maßnahmen hätten wenigstens 96 Prozent der bayerischen Haushalte einen Zugang zu schnellem Internet – aktuell verfügen fast drei Viertel über Geschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s. Söder rechnet damit, dass bis 2025 jeder Haushalt in Bayern einen Glasfaser-Anschluss haben wird.

Die Studie dagegen geht von 2030 aus und empfiehlt, sich auf unterversorgte ländliche Regionen zu konzentrieren. "Warum damit nicht dort beginnen, wo es derzeit gar nicht läuft?", sagte Hartmann. "Das wäre nur gerecht und führt laut unserer Studie auch zu Nachahmereffekten in den besser erschlossenen Gebieten."

Im Freistaat wird nach Regierungsangaben ausschließlich Glasfaserinfrastruktur gefördert. Dabei werden die Leitungen aber vielfach nur bis zu vorhandenen Verzweigungspunkten FTTC (Fibre to the Curb) und nicht bis zur Haustür FTTB (Fibre to the Building) gelegt. Von dort aus führen oft veraltete Kupferdrähte zu den Gebäuden. Das bemängelte auch der Deutsche Landkreistag am Breitbandausbau in ländlichen Gebieten.

Die Gemeinden entscheiden demnach selbst über die Art des Ausbaus. FTTC werde bevorzugt, weil es als schnellere und günstigere Variante gilt. Dieses Vorgehen kritisieren die Studienverfasser, weil der Ausbau hin zum Kunden nicht vermeidbar sein werde. (olb)