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Studie: IT-Freiberufler nagen nicht am Hungertuch

Selbständige werden häufig als Risikogruppe für Altersarmut dargestellt, was laut einer repräsentativen Allensbach-Studie zumindest für den IT-Bereich nicht zutrifft. Dort liege das frei verwertbare Monatsnetto-Einkommen für Freelancer bei fast 4700 Euro.

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Xing AG

(Bild: dpa, Georg Wendt)

Eine am Donnerstag veröffentlichte Studie räumt mit dem Mythos auf, dass die von Gewerkschaften und Politikern vielfach angeführten Solo-Selbständigen und Ich-AGs in der Regel am Hungertuch nagen und vor allem im Alter noch stärker von Armut bedroht sind. Zumindest für die wachsende Gruppe von IT-Freiberuflern trifft diese Vermutung demnach überwiegend nicht zu: 87 Prozent dieser Berufsgruppe schätzen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut ein, nur zwei Prozent als schlecht. 95 Prozent zeigen sich so mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Einkommen, nur fünf Prozent kommen damit nicht gut über die Runden.

Für die Untersuchung hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Allianz für selbständige Wissensarbeit (ADESW) voriges Jahr über 1500 freiberufliche IT-Experten aus Deutschland online befragt. Zuvor hatten die Marktforscher eine Zufallsstichprobe von 16.000 Spezialisten per E-Mail angeschrieben, die in den Datenbanken der Mitgliedsunternehmen des Vereins gelistet waren. Durch Filterfragen stellten sie sicher, dass ausschließlich selbständige Solo-Unternehmer in die Auswertung einflossen. Angesichts von insgesamt rund 100.000 IT-Freelancern in Deutschland kann die Studie als repräsentativ gelten.

Die Stundensätze der Befragten gehen mit 50 bis über 130 Euro zwar recht weit auseinander, der Durchschnittssatz beläuft sich aber auf vergleichsweise hohe 83 Euro pro Stunde. Dies deckt sich in etwa mit anderen Freelancer-Umfragen im IT-Sektor, wonach der Netto-Stundensatz jüngst sogar noch etwas höher lag. Im Schnitt liegt das Netto-Monatseinkommen laut der Allensbach-Analyse nach Abzug von Steuern, Krankenversicherung und Betriebsausgaben bei fast 4700 Euro, das ist deutlich mehr als das Mittel bei abhängig Beschäftigten. Jeder Zehnte IT-Freiberufler kommt sogar auf mehr als 8000 Euro netto. Weniger als 2000 Euro sind es nur bei knapp jedem Achten.

Die Hälfte der Teilnehmer rechnet auch mit einer guten, 39 Prozent sogar mit einer sehr guten künftigen Auftragslage. Zu den Verdiensten aus der selbständigen Tätigkeit kommen oft ferner weitere Einkommensquellen dazu. Jeder Zweite gab an, Immobilien zu vermieten oder zu verpachten, jeder Vierte verwies auf Kapitalerträge. 75 Prozent der IT-Selbständigen leben in einer festen Partnerschaft oder Ehe und verfügen so beinahe zur Hälfte über ein gemeinsames Haushaltsnettoeinkommen von über 6000 Euro.

Mit 75 Prozent hat die überwiegende Mehrheit der Experten den Schritt in die Selbständigkeit nicht notgedrungen, sondern aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit vollzogen. 63 Prozent sprechen von einer "gewollten berufliche Weiterentwicklung", 59 Prozent geben als Grund an, "dass es finanziell lukrativ war". Für 47 Prozent stand der Wunsch nach einer abwechslungsreicheren Tätigkeit, für 42 der nach flexibleren Arbeitszeiten im Vordergrund. Frauen sind unter den befragten IT-Spezialisten aber deutlich unterrepräsentiert: 92 Prozent davon sind Männer. Drei Viertel sind zwischen 40 und 59 Jahre alt.

Die meisten der Teilnehmer sorgen laut den Forschern "risikobewusst und solide" fürs Alter vor. Die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass sie sich nach ihrer Berufstätigkeit keine finanziellen Sorgen machen muss. 41 Prozent erwarten, dass sie mit ihrem Geld auskommen, aber sparsamer leben müssen. Lediglich ein Zehntel der IT-Selbständigen rechnet damit, dass im Alter das Geld knapp wird.

Der ADESW-Vorstandsvorsitzende Carlos Frischmuth hält die Debatte über die Absicherung von Freiberuflern angesichts dieser Zahlen für richtig, plädiert aber dafür, "sie faktenbasiert zu führen". Freiberufliche Wissensarbeiter müssten dabei anders betrachtet werden als Crowd-, Cloud- oder Clickworker der sogenannten Gig Economy, in der ganz andere Arbeitsbedingungen herrschen. Frischmuth fordert daher: "Zur Bekämpfung von Altersarmut sollten sich die Entscheidungsträger im Bundestag auf den Anteil der Freiberufler konzentrieren, denen diese Armut tatsächlich droht: Den Geringqualifizierten, deren Selbständigkeit offensichtlich aus der Not geboren ist." Schwarz-Rot hat sich mit dem Entwurf für einen Koalitionsvertrag vorgenommen, eine allgemeine Rentenversicherungspflicht einzuführen.

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

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