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Studie: In den USA droht ein Wahlmaschinen-Debakel

Von den 50 US-Staaten werden 43 im kommenden Jahr besonders fehleranfällige Wahlcomputer einsetzen, die mindestens zehn Jahre alt sind, heißt es in einer Analyse der New York University. Dies berge große Risiken.

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Wahlcomputer

Beim CCC halten sie nicht besonders viel von Wahlcomputern. Zu Recht, wie eine US-Studie bestätigt.

(Bild: heise online/Borchers)

Die Aussichten für einen technisch sauberen Ablauf der US-Präsidentschaftswahlen 2016 sind nicht gut. Nächstes Jahr werden in 43 der 50 Staaten der USA veraltete Wahlmaschinen ihren Dienst tun, die mindestens zehn Jahre auf dem Buckel haben und so in hohem Maße anfällig für Fehler oder Abstürze sind. Dies ist das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie des Brennan Center for Justice der New York University, für die die beteiligten Forscher dieses Jahr über 110 Wahlleiter und deren Mitarbeiter befragt hat.

Mit zunehmendem Alter der Geräte steige die Gefahr, dass Angreifer Sicherheitslücken ausnutzen, warnen die Verfasser. Hacker vom Chaos Computer Club (CCC) malten schon 2003 ein "Wahlmaschinen-Massaker" an die Wand. Laut Sicherheitsforschern hat auch die aktuelle Technik vor allem gut gerüsteten Angreifern wenig entgegenzusetzen.

Ein Wahlcomputer, der nach der Jahrtausendwende angeschafft worden sei, habe eine "Lebenserwartung" von etwa 10 bis maximal 20 Jahren. Fast jeder US-Staat habe schon heute mit Maschinen zu kämpfen, die nicht mehr hergestellt werden und für die es kaum Ersatzteile gibt. In 14 Staaten würden die Geräte 2016 bereits 15 Jahre und älter sein. Die Kosten für einen Austausch der Geräte mit nicht mehr aktueller Hard- oder Software in den gesamten USA betragen laut Studie über eine Milliarde US-Dollar.

Ein Administrator aus Florida berichtete den Wissenschaftlern, dass er ein analoges Modem für die von ihm betreuten Maschinen auf eBay habe ersteigern müssen. Die Datenübertragungsrate im Bereich weniger KBit/s lasse sich nicht steigern, was den Wahlablauf nicht beschleunige. Ein Verantwortlicher aus Ohio konnte der Studie nach mit Müh und Not noch "Zip Disks" ergattern, denen Coupons beigelegt waren, die 1999 ausliefen.

Die Autoren befürchten daher, dass beim nächsten Urnengang der Wählerwille vielfach falsch aufgezeichnet werden und Systemabstürze zu langen Schlangen vor den Wahlbüros führen könnten. Sie verweisen auch darauf, dass der Bundesstaat Virginia vor Kurzem die Zertifizierung für ein Wahlmaschinensystem widerrufen habe, das in 24 Prozent seiner Wahlbezirke verwendet worden sei. Zuvor sei herausgefunden worden, dass Dritte sich Zugang zu den Funktionen des Geräts zur drahtlosen Datenübertragung verschaffen könnten, um ausgetauschte Informationen aufzuzeichnen oder Schadcode einzufügen. (Stefan Krempl) / (vbr)

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