Studie: Lithium-Bedarf für Fahrzeug­batterien ist bis 2050 gesichert

Elektroautos werden den Bedarf an Lithium nach oben treiben. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat untersucht, wie lange die Reserven noch ausreichen.

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Von
  • Gernot Goppelt

Das derzeit erwartete Wachstum bei Elektroautos wirft bei vielen die Frage auf, wie es eigentlich mit der Verfügbarkeit von Rohstoffen aussieht. Hinsichtlich der Elektromotoren betrifft das zum Beispiel den Rohstoff Kupfer, bei Batterien diskutiert man vor allem über den zu erwartenden Bedarf an Lithium. Lithium-Batterien gelten derzeit als die Zukunftstechnologie bei der Batterietechnik, auch wenn sich bisher kaum ein Autohersteller damit in die Großserie traut. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat untersucht, wie sich die Nachfrage nach Lithium voraussichtlich entwickeln wird. Das Ergebnis: Selbst unter sehr zurückhaltenden Annahmen hinsichtlich der Vorkommen werden die weltweit vorhandenen Reserven auch bei hohen Nachfragesteigerungen bis 2050 ausreichen.

"Wenn wir von einem Szenario der Marktdurchdringung ausgehen, bei denen Elektrofahrzeuge bis 2050 weltweit 50 Prozent der Neuzulassungen im motorisierten Individualverkehr erreichen, werden unter Berücksichtigung der Verwendung von recyceltem Material sowie der Lithium-Nachfrage für andere Anwendungen dann erst rund 20 Prozent der weltweit vorhandenen Lithium-Ressourcen verbraucht sein", sagt Prof. Dr. Martin Wietschel, einer der beiden Projektleiter. Diese Berechnung geht von einer vorsichtigen Schätzung der Vorkommen aus. "Die dabei eingesetzte Menge von Sekundärlithium, das durch Recycling gewonnen wird, deckt bei unseren Berechnungen zirka 25 Prozent des Gesamtbedarfs, was dem Recycling von Lithium einen hohen Stellenwert gibt", meint sein Kollege Dr. Gerhard Angerer.

Für den Fall eines deutlich schnelleren Marktwachstums von Elektrofahrzeugen haben die Forscher ein zweites Szenario analysiert, bei dem bis 2050 sogar 85 Prozent der Neuzulassungen Elektrofahrzeuge sind. Auch dann käme es nicht zu einer Erschöpfung der Lithium-Reserven. Allerdings seien dann die Reserven erschöpft, welche sich bei heutigen Preisen und Technologien abbauen lassen, und es müssten neue Vorkommen erschlossen werden. Die Empfehlung lautet daher, frühzeitig ein Recyclingsystem für Lithium aufzubauen und langfristig an Batterietypen zu arbeiten, die ohne Lithium auskommen.

Auch sei in Betracht zu ziehen, dass Lithium nur in wenigen, teils politisch instabilen Regionen vorkommt. Zudem lägen diese Vorkommen in bislang unberührten Ökosystemen, wie Salzseen in Südamerika und China. Im Übrigen sei Lithium nicht der einzige Rohstoff, der für Elektromobile benötigt wird und dessen "Versorgungssicherheit" geprüft werden muss. Das gelte auch für Kobalt (Batterien), Kupfer (Wicklungen in Elektromotoren), Indium (Displays) und Neodym (Magnete in Elektromotoren). (ggo)