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Studie: Online-Verkauf von neuen Autos künftiger "Milliardenmarkt"

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Einen Milliardenmarkt für den Handel mit Neuwagen im Internet sieht eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. Während der Gebrauchtwagenkauf im Netz bereits seit Jahren etabliert sei, gewinne der Online-Handel mit Neuwagen gerade erst an Bedeutung. Internet-Vermittler, die mit traditionellen Autohändlern zusammenarbeiteten, böten dabei "Autokauf ohne Service und deshalb mit hohen Rabatten", sagte CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer am 17. Mai in Duisburg gegenüber dpa.

Auf den Internetseiten der Vermittler können die Kunden sich ihr Auto individuell zusammenstellen und bekommen dafür ohne feilschen zu müssen durchschnittlich 15 Prozent Rabatt auf gängige Modelle wie VW Golf oder Audi A3. Per Telefon gibt der Kunde seine Bestellung auf und bekommt dann eine Bestätigung vom Vermittler. Anschließend bestellt und bezahlt der Käufer das Auto beim Händler. Der Vermittler erhält eine Provision vom Händler. Abholen muss der Kunde den Wagen bei dem Autohaus vor Ort, "das allerdings auch mal 100 Kilometer entfernt sein kann", erläuterte Dudenhöffer.

Probefahrten sind vor dem Online-Kauf aber nicht möglich. Auch seinen alten Gebrauchtwagen kann der Kunde beim Vermittler nicht in Zahlung geben. Ansonsten gelten laut CAR dieselben Bedingungen wie beim traditionellen Autokauf, zum Beispiel in Hinsicht auf Garantien und Fahrzeugfinanzierung.

Eine Online-Befragung von 500 potenziellen Autokäufern durch das Duisburger Autoinstitut habe ergeben, dass eine überwiegende Mehrheit sich vorstellen kann, ihren nächsten Neuwagen im Internet zu kaufen. Vor allem die hohen Rabatte gäben dafür den Ausschlag. Daher rechnet der Auto-Professor mittelfristig mit einem Umsatzpotenzial von 8 Milliarden Euro für den neuen Markt im Internet. Inwieweit sich der Markt für Neuwagen in die vorhergesagte Richtung bewegen wird, bleibt ebenso abzuwarten.

Interessant erscheint die Frage, wie der stationäre Autohandel auf die Online-Konkurrenz reagieren wird. Insbesondere die sogenannten Premium-Marken haben ihre Verkaufsräume zwischenzeitlich zu großflächigen Erlebniswelten ausgebaut, in denen die Interessenten sehen können, wie ihr Wunschmodell in natura wirkt und wo sie beim Probesitzen einen Eindruck von der Ergonomie oder vom Geruch einer nagelneun Lederausstattung bekommen. Im Jahr Eins nach der Abwrackprämie kommt zumindest die Frage auf, inwieweit sich im gesättigten Markt Westeuropa der Aufwand für opulente Showrooms noch in Zukunft rentieren wird.

Zugleich hat die im März vom FHDW Center of Automotive vorgelegte Studie Jugend und Automobil 2010 einen Trend ausgemacht, dass unter Jugendlichen die emotionale Bindung zum Automobil nachlässt – insoweit spricht einiges dafür, dass sich die Autokäufer von morgen mehr von nüchternen Zahlen als vom Angebot der Espresso-Bar im Autohaus leiten lassen. (ssu)