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Studie: RFID-Systeme beeinflussen Medizintechnik

Wissenschaftler der Freien Universität Amsterdam haben in einem für die Intensivabteilungen moderner Krankenhäuser typischen Raum getestet, inwieweit aktive und passive RFID-Systeme medizinische Geräte beeinflussen. Die EMI (electromagnetic interference)-Tests, von denen Remko van der Togt, Erik Jan van Lieshout und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des US-Fachmagazins für Medizin Jama berichten, ergaben 34 Zwischenfälle bei 123 Versuchen. 22 dieser Zwischenfälle klassifizierten die Wissenschaftler gemäß gängiger Standards als "gefährlich", zwei als "signifikant", den Rest als "leicht".

Im Mai 2006 rückten die Wissenschaftler den medizinischen Apparaten mit einer Kombination aus RFID-Chip und -Lesegerät auf die Pelle: Sie näherten sich 41 Apparaten aus zunächst zwei Meter Abstand schrittweise, so wie es der amerikanischen Standard ANSI C63.18 empfiehlt, der die Überprüfung der Verträglichkeit medizinischer Systeme auf Radiofrequenz-Sender festlegt. Dabei schalteten sich Beatmungsmaschinen ab oder änderten die von den Ärzten eingestellte Atemrate. Infusionspumpen blieben stehen, Dialysegeräte stoppten die Blutwäsche, externe Herzschrittmacher kamen aus dem Rhythmus. In einem Fall beeinflusste das elektromagnetische Feld ein Herz-Elektrogramm derart, dass ein mit diesen Daten arbeitender Schrittmacher sich kontraproduktiv verhalten hätte.

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Im Mittel beeinflussten die RFID-Systeme die Medizintechnik aus einer Entfernung von 30 Zentimetern. Doch selbst damit ist man nicht unbedingt auf der sicheren Seite, so die Ergebnisse dieser Tests. Die Wissenschaftler führen die Anfälligkeiten vor allem auf mangelnde Standardisierung zurück. Die RFID-Produkte seien einfach aus der Logistik übernommen worden, ohne sie speziell für die Belange des Krankenhauses zu testen. Interessanterweise verursachte das aktive RFID-System, bei dem der Chip selbst auf ein Signal hin seinen eigenen kleinen Sender aktiviert, etwas weniger Störungen als die passive RFID-Lösung.

Auf ihrer Webseite haben die niederländischen Wissenschaftler eine vollständige Liste der Zwischenfälle zusammen mit der Bezeichnung des Geräts, das die Ausfälle verursacht hat, veröffentlicht.

Siehe dazu auch in Telepolis:

(tpa)

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