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Studie: Rekordinvestitionen in europäische Start-ups

Start-ups in Europa locken immer mehr Geld an. Dutzende von ihnen werden mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet.

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Internet-Startups

(Bild: dpa, Emily Wabitsch)

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Die Investitionen in europäische Start-ups haben in diesem Jahr laut einer Studie den Rekordwert von rund 23 Milliarden Euro erreicht. Zum Vergleich: 2013 seien es erst fünf Milliarden US-Dollar gewesen, betonte der Wagniskapitalgeber Atomico in seiem jährlichen Bericht zur europäischen Tech-Industrie am Dienstag. Europa habe in den vergangenen 15 Jahren 61 neue Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar hervorgebracht. Allein in diesem Jahr hätten 17 Firmen diese Marke überschritten.

Großbritannien bleibt spitze, Deutschland legt zu

Insbesondere der Börsengang des Musikdienstes Spotify im vergangenen April sei ein Zeichen dafür gewesen, dass es durchaus Start-ups aus Europa gibt, die global erfolgreich sein können, betonte der federführende Studienautor Tom Wehmeier. Und inzwischen gebe es in europäischen Ländern "dutzende Spotifys". Als weitere hervorstechende Beispiele nennt die Studie etwa die in Portugal gegründete Online-Mode-Plattform Farfetch und den niederländischen Bezahldienstleister Adyen.

In Deutschland seien 2018 bislang rund 4 Milliarden US-Dollar in Start-ups investiert worden, eine deutliche Steigerung gegenüber den 2,99 Milliarden US-Dollar des Vorjahres. Spitzenreiter in Europa bleibt Großbritannien mit 7,1 Milliarden US-Dollar, was allerdings rund 300 Millionen US-Dollar weniger als im Vorjahr sind. Die meisten Deals wurden in London abgeschlossen mit rund 4,4 Milliarden US-Dollar, darauf folgen Paris (2,6 Milliarden US-Dollar) und Berlin (2,2 Milliarden US-Dollar). Auch hier sank die Risikokapitalsumme in London im Vorjahresvergleich, während Paris und Berlin weiter Boden gewannen.

Diskriminierung in Start-ups

Zugleich hätten europäische Start-ups ein Diskriminierungs-Problem. Rund 93 Prozent der Investitionen seien an Firmen mit nur aus Männern bestehenden Gründer-Teams geflossen – wie schon in den Vorjahren. 46 Prozent der Frauen, die in der europäische Tech-Branche arbeiten, erklärten, dass sie Diskriminierung erlebt hätten. Im deutschsprachigen Raum war der Anteil mit 62 Prozent überdurchschnittlich hoch. In nur sechs Prozent der Tech-Firmen stünden Frauen an der Spitze. Und unter Beschäftigten mit dunkler Hautfarbe hätten 55 Prozent angegeben, dass sie benachteiligt worden seien. Diskriminierung sei ein "fundamentales Problem", das die europäische Tech-Branche zurückhalte, warnte Wehmeier.

Der Bericht enthält auch Hinweise darauf, dass der Tech-Standort Deutschland im Wettbewerb um Talente von der Brexit-Entscheidung profitiert. London war lange Zeit die klare europäische Start-up-Hauptstadt. In diesem Jahr habe Deutschland aber mit Großbritannien beim Umzug von Tech-Mitarbeitern innerhalb Europas gleichgezogen, mit jeweils 14,8 Prozent. Beim Zuzug von außerhalb Europas rückte Deutschland binnen eines Jahres von 13,8 auf 15,2 Prozent vor. Der Anteil Großbritanniens sank dagegen von 21,5 auf 20,9 Prozent. Atomico bezieht sich bei der Auswertung auf Daten des Karrierenetzwerks LinkedIn. "Wenn man nicht offen für den Zuzug von Mitarbeitern ist, hat das Konsequenzen", resümierte Wehmeier. (axk)

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