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Studie: SMS-Abkürzungen schaden nicht den Lese- und Schreibfähigkeiten

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Kinder, die Kurznachrichten über ihr Handy verschicken und dabei sehr häufig Kürzel wie LOL, plz oder l8er nutzen, haben weniger Probleme beim Lesen und Schreiben der regulären Sprache als andere Kinder. Das hat die Psychologin Clare Wood von der Universität im britischen Coventry durch Langzeitbeobachtung von 63 Schülern im Alter von 8 bis 12 Jahren laut Mitteilung herausgefunden.

Die Neigung der Kinder zum Verfassen von SMS mit Abkürzungen nimmt nach Woods Beobachtung mit dem Alter zu; in der vierten Klasse betrieb ungefähr ein Fünftel der Kinder "textism", in der sechsten Klasse rund die Hälfte. Die Wissenschaftlerin schließt daraus, dass zum Verfassen solcher Nachrichten fortgeschrittene sprachliche Fertigkeiten nötig sind. Die Nutzung von Abkürzungen fördere sogar die Lese- und Schreibfähigkeit.

Es gebe insgesamt einen derart engen Zusammenhang, dass vom Ausmaß der Nutzung von Abkürzungen auf die Entwicklung der "phonological awareness" der Kinder geschlossen werden könne, also auf die Fähigkeit, Sprachmuster zu entdecken, einzugrenzen und zu verändern. Beispielsweise bewegten sich Kinder, die sagen können, welche Wörter sich reimen, in dieser Hinsicht auf einem höheren Niveau.

Wood und ihre Kollegen wollten nach eigenen Angaben mit der Untersuchung herausfinden, ob es Belege für die über die Medien verbreiteten Vermutungen gebe, Kurznachrichten schadeten sprachlichen Fähigkeiten und insgesamt dem englischen Wortschatz. Die Forscher geben an, selbst überrascht von den Ergebnissen der Studie gewesen zu sein. Zur Nutzung von Abkürzungen seien offenbar dieselben Fähigkeiten wie beim korrekten Buchstabieren von Wörtern nötig. Zudem sei "Texting" eine wertvolle Form der Kontaktaufnahme in geschriebenem Englisch, durch die sich Kinder täglich im Lesen und Schreiben übten.

Es gebe insgesamt unter Kindern eine Tendenz zu mehr Lese- und Schreibproblemen, aber nicht wegen, sondern trotz der Nutzung von Kurznachrichten, teilte Wood mit. Weitere Forschungen in dieser Richtung sollen auch zu einem Umdenken bei Lehrern und Eltern beitragen. Nächstes Jahr soll ein abschließender Bericht vorliegen. (anw)

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