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Studie: Unterhaltungsindustrie in Europa steht gut da

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Einnahmen und Angebote der Unterhaltungsindustrie sind in den vergangenen zehn Jahren in europäischen Ländern gestiegen. Dies hat eine im Rahmen der Musikmesse Midem in Cannes veröffentlichte Wirtschaftsstudie (PDF-Datei) im Auftrag der US-Branchenvereinigung Computer & Communication Industry Association (CCIA) ergeben. Es gebe zwar einige länder- und marktspezifische Abweichungen, doch alles in allem verlaufe die Entwicklung recht rosig.

Auch im digitalen Zeitalter wächst die Unterhaltungsindustrie in Europa.

(Bild: dpa, Monique Wüstenhagen)

Die Untersuchung mit dem Titel "The Sky is Rising" der Marktbeobachter von Floor 64 soll anhand der Umsatz- und Veröffentlichungszahlen der Medienwirtschaft in den Bereichen Bücher, Computerspiele, Musik und Film das Mantra widerlegen, dass die Unterhaltungsindustrie im digitalen Zeitalter nur noch Verluste einfährt und dem Untergang geweiht ist. Dazu wurden Daten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und Spanien herangezogen.

Die Zahl der veröffentlichten Bücher hat sich demnach in diesen Ländern zwischen 1995 und 2011 verdoppelt, der Markt für E-Books sei regelrecht "explodiert", heißt es in dem Bericht. Der Umsatz sei hier von 117 Millionen Euro 2008 auf 351 Millionen Euro binnen zwei Jahren nach oben geschnellt. Die Wachstumsraten lägen zwischen 740 Prozent in Italien und 30 Prozent in Russland. Die Umsätze mit Videospielen seien zwischen 2006 und 2011 um mehr als 50 Prozent gewachsen auf über 15 Milliarden Euro. Von 2008 auf 2010 habe sich zudem die Anzahl der Computerspieler in ganz Europa auf 95 Millionen mehr als verdoppelt.

Auch im Musiksektor, der sich besonders stark von illegalen Filesharing-Aktivitäten betroffen sieht, erkennen die Analysten Zeichen der Hoffnung. So befänden sich die Umsätze mit Live-Auftritten und Konzerten weiter auf Wachstumskurs, wobei vor allem Russland mit einer geschätzten Zunahme um 105 Prozent zwischen 2007 und 2013 auf Einnahmen von knapp 1,5 Milliarden Euro hervorsteche. In Deutschland rechnen die Marktforscher dagegen mit einem Minus von 20 Prozent im gleichen Zeitraum, auch wenn die Erwartungen für 2013 mit fast 2,2 Milliarden Euro Umsatz nicht gerade niedrig sind. Zugleich hebt die Studie hervor, dass der Gesamtmarkt zunehmend von digitalen Musikverkäufen bestimmt werde. Die gute Nachricht hier sei, dass sich die Zahl der legalen Plattformen zwischen 2007 und 2011 auf über 250 verfünffacht habe.

Die Filmindustrie hat laut dem Report 2011 ein Rekordjahr an den Kinokassen in Europa erlebt. Demnach sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro geklettert. Die Zahl der zwischen 2005 und 2009 produzierten europäischen Filme habe in den untersuchten Ländern um 31 Prozent zugenommen. In Deutschland habe der Zuwachs 2009 bei 48 Prozent gelegen, in Russland sogar bei 57 Prozent. Parallel hätten die Einnahmen von Fernsehsendern zwischen 2006 und 2012 in den sechs Ländern von rund 60 auf über 90 Milliarden Euro zugelegt.

Für Mike Masnick von Floor 64 macht die Studie deutlich, dass das Internet und die Kreativindustrien sich nicht gegenseitig im Weg stünden. Es sei zwar schwieriger für Markakteure geworden, sich an das digitale Umfeld anzupassen. Die "zerstörerische" Kraft des Netzes bringe aber auch neue Geschäftsmöglichkeiten mit sich, was Gesetzgeber vor verfrühten und falschen Entscheidungen beachten sollten. Vor einem Jahr hatten die Forscher den US-Unterhaltungsmarkt in den Blick genommen und waren dabei zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. (mho)

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