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Studie: Verbreitung des Digi-TV in Europa nimmt Fahrt auf

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Langsam, aber sicher setzt sich das digitale Fernsehen auch in Europa durch. Das geht aus einer Untersuchung des Research- und Beratungsunternehmens Forrester Research hervor. In fünf Jahren werden gut 50 Prozent aller europäischen Haushalte digital fernsehen, verglichen mit derzeit lediglich rund 22 Prozent. Die Forrester-Analystin Hellen K. Omwando erwartet, dass neue Geschäftsmodelle, eine verbesserte Finanzlage der Anbieter und zusätzliche Funktionen wie Interaktivität einen beträchtlichen Schub bringen werden. Niedrigere Preise und ein verbessertes Angebot sollten zudem helfen, die Akzeptanz des digitalen Fernsehens zu stärken. Dominieren werde der Empfang digitaler Signale via Satellit. Dennoch sollten die Möglichkeiten, viele andere Kunden über terrestrische digitale Systeme zu erreichen, nicht außer Acht gelassen werden, berichtet die Analystin von Forrester Research. Zudem werde das terrestrische Digital-Fernsehen einschließlich interaktiver Funktionen zu günstigeren Preisen angeboten. Wie viele der Anbieter den Preiskampf überleben werden, sei allerdings derzeit noch nicht absehbar.

Die Akzeptanz des digitalen Fernsehens ist in den vergangenen Jahren in den meisten Ländern Europas eher enttäuschend gewesen, erläutert Hellen K. Omwando. So stieg die Zahl der Nutzer des digitalen Fernsehens im vergangenen Jahr europaweit lediglich um 14 Prozent auf rund 30 Millionen Haushalte. Hiervon hätten 40 Prozent innerhalb der letzten drei Monate das System interaktiv genutzt. Verantwortlich seien für die Entwicklung in erster Linie zu hohe Abopreise, nur wenige attraktive Angebote und die geringe Kenntnis der Konsumenten hinsichtlich der interaktiven Nutzungsmöglichkeiten des Digital-TV. Einige Anbieter hätten sogar die Palette ihrer eigenen interaktiven Aktivitäten wie Spiele oder Einkaufsmöglichkeiten deutlich reduziert und ihre Kooperationspartner nicht zu zusätzlichen Angeboten überreden können, weil diese Zweifel an der Rentabilität dieses Engagements hatten. Daher sei es nicht erstaunlich, dass die Nutzerzahlen sehr verhalten geblieben sind, so Hellen K. Omwando.

Nach Meinung von Forrester Research kann in Deutschland mit neuen Marketing-Strategien, wie sie zum Beispiel der Pay-TV-Anbieter Premiere bietet, den Anteil der Haushalte, die digitales Fernsehen nutzen, von 15 Prozent Ende 2004 bis Ende 2009 auf fast runde 50 Prozent steigern. Durch das ohnehin große Programmangebot via Kabel haben in den zurückliegenden Jahren die deutschen Konsumenten starke Zurückhaltung beim Digital-TV geübt. Schnelles Wachstum konnte Premiere erst durch günstigen Abonnement-Basispaket in Kombination mit Standard-unabhängigen Settop-Boxen erreichen.

Wesentlich größer ist die Akzeptant für das Digital-TV in Großbritannien auf. Rund 42 Prozent aller europäischen Haushalte, die das Digital-Fernsehen nutzen, sind hier beheimatet. Getrieben wird das von Anbietern wie BSkyB und BBC. Bis 2009 dürften knapp 80 Prozent aller britischen Haushalte digital fernsehen. (tol)