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Studie: Vernetzung von Autos schafft mehr Sicherheit – aber auch Skepsis

Analysten im Auftrag des Wirtschaftsministeriums kommen zu dem Ergebnis, dass die Vernetzung von Fahrzeugen und Straßen Sicherheit und Komfort verbessert. Die Angst vorm gläsernen Fahrer müsse aber bewältigt werden.

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Vernetzte Autos

Ausschnitt aus dem Titelblatt der Studie

(Bild: dialoginstitut.de)

Nach der EU-Kommission hat am Dienstag auch das Bundeswirtschaftsministerium eine Studie zu intelligenten Verkehrssystemen herausgegeben. Die Verfasser des Berichts zur "Mobilität 2025" gehen prinzipiell optimistisch davon aus, dass "die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastrukturen und Daten-Clouds die Sicherheit, die Nachhaltigkeit und den Komfort im Verkehr" binnen der nächsten 10 bis 15 Jahre deutlich verbessere. Am vergangene Woche hatte die EU-Plattform für "Kooperative intelligente Transportsysteme" ihren Abschlussbericht vorgelegt.

"Die Grenzen zwischen Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen werden zunehmend verschwimmen", heißt es in der Untersuchung, die der Vodafone-Stiftungslehrstuhl Mobile Nachrichtensysteme der TU Dresden, das Institut für Vernetzte Mobilität und das Institut für Automation und Kommunikation (IfAK) erstellt haben. Fahrzeuge verfügten über eine präzise Ortung und hochgenaue digitale Karten mit dynamischen Umfeldinformationen. Vernetzte automatisierte Autos koordinierten ihre Fahrmanöver und optimierten den Verkehrsfluss.

"Smart-Traffic-Anwendungen" würden schon bald helfen, Gefahren zu bewältigen und Fahrzeuginsassen besser zu schützen, prognostizieren die Forscher. Dank Cloud-Zugang könnten die Beifahrer – in Roboterautos und hochautomatisierten Fahrzeugen auch die Person am Lenkrad – Büroanwendungen, Videos, Spielen und Infotainment frönen sowie Standortdienste nutzen. Die zunehmende Elektrifizierung der Antriebsstränge werde nicht mehr aufzuhalten sein, da Digitalisierung und Elektromobilität laut Aussagen deutscher Hersteller zusammengehörten.

Obgleich die Vernetzung in vielen Lebensbereichen nicht mehr aufzuhalten sei, werde das Auto von vielen Konsumenten und Datenschützern weiterhin als eine letzte Bastion der Privatsphäre angesehen und verteidigt. "Die Menschen sind grundsätzlich zurückhaltender im Umgang mit ihren Mobilitätsdaten und die Angst vorm gläsernen Fahrer ist keine Randerscheinung", führen die Verfasser aus.

"Dennoch werden zumindest für Sicherheitsanwendungen Mobilitätsdaten geteilt und es gibt selbstredend auch Anwendergruppen, die darüber hinaus eigene Daten zur Nutzung diverser Dienste zur Verfügung stellen." Die Skepsis auch gegenüber der Fahrzeugautomatisierung sei aber "noch recht groß". Viele Menschen lehnten Roboterautos generell ab, weil sie der neuen Technik nicht vertrauten, das Risiko der Manipulation von außen als zu hoch ansähen oder grundsätzliche ethische Bedenken hätten.

Die Wissenschaftler empfehlen, der Gesetzgeber solle nicht nur rechtliche Bestimmungen im Verkehrsrecht anpassen und harmonisieren, sondern auch "Klarheit im Umgang mit Mobilitätsdaten" schaffen. Nötig seien technik- und netzübergreifende Sicherheitskonzepte einschließlich einer "leistungsfähigen Public-Key-Infrastruktur".

Bestehende WLAN- und Mobilfunknetze müssten weiterentwickelt, offene standardisierte und technikunabhängige Schnittstellen sowie Daten- und Nachrichtenformate genutzt werden. Die Studie soll am Mittwoch im Wirtschaftsministerium öffentlich vorgestellt werden. (anw)

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