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Studie: Wachsende Sorge um "digitale Außenseiter"

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Knapp zwei Drittel der deutschen Bevölkerung sind noch nicht firm im Umgang mit den neuen Medien. Dies geht aus einer Studie der Initiative D21 zur digitalen Gesellschaft hervor. Sowohl zu den "digitalen Außenseitern" als auch den "Gelegenheitsnutzern" zählen jeweils 28 Prozent der Bevölkerung. Rechnet man die 7 Prozent der "Berufsnutzer" noch dazu, sind 63 Prozent der Gesellschaft nicht oder wenig souverän im Umgang mit der digitalen Technik. Für die repräsentative Befragung Mitte Oktober hat TNS Infratest über 1000 telefonische Interviews durchgeführt.

Der Anteil der "digitalen Außenseiter" ist gegenüber der vorigen Studie von vor einem Jahr von 35 auf 28 Prozent gesunken. Doch der Blick auf das Kompetenz- und Nutzungsprofil dieser Gruppe zeigt nach Ansicht der Macher der Studie, "dass sie den Anschluss an die digitale Welt immer weiter" verlöre. So könnten nur 12 Prozent der "Außenseiter", die ein Durchschnittsalter von 64,9 Jahren aufwiesen, einen Brief am Computer schreiben. Begriffe wie E-Mail oder Homepage seien für sie in der Regel böhmische Dörfer.

Um 2 Prozentpunkte verringert hat sich der Anteil der "Gelegenheitsnutzer", die digitale Möglichkeiten nur spärlich nutzen. In der Regel verfügen sie über einen PC und einen Drucker im Haushalt, so weise eine Mehrheit von ihnen "Basiskompetenzen in Internetrecherche und Textverarbeitung" auf. Darüber hinaus beschränken sie sich meist auf E-Mail und die Suche im Netz. Die Gruppe der "Berufsnutzer" ist von 9 auf 7 Prozent geschrumpft und setzt zumindest am Arbeitsplatz problemlos den Rechner für Büroanwendungen und Internetrecherchen ein.

So wird in der Studie der "digitale Außenseiter" illustriert.

(Bild: digitale-gesellschaft.info/)

Den größten Sprung um 9 Prozentpunkte nach vorne gemacht haben die "Trendnutzer"; sie kommen jetzt auf 20 Prozent. Sie sind privat sehr gut mit digitaler Technik ausgestattet und oft am Netz. Zudem ist unter ihnen mit 57 Prozent der Trend zur mobilen Internetnutzung stark ausgeprägt. Insgesamt gehen die Angehörigen dieser Gruppe laut der Studie spielerisch und ohne große Ängste an die digitalen Themen heran.

Die "digitalen Profis" mit umfangreichen Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien, die die Zeit vorm PC "eher rational als mit Unterhaltung" verbringen, stagnieren bei 12 Prozent. Die "digitale Avantgarde" ist um 2 Prozentpunkte gewachsen, stellt mit einem Anteil von 5 Prozent der Befragten aber nach wie vor eine überschaubaren Kreis dar. Sie hat die "beste digitale Infrastruktur" und nutzt diese im Durchschnitt zehn Stunden pro Tag.

Ulrich Hermann, D21-Gesamtvorstandsmitglied und Geschäftsführer der Wolters Kluwer Deutschland GmbH, sieht das Bildungssystem gefordert. Es müsse allen Bevölkerungsschichten maßgeschneiderte Angebote bereitstellen und die digitalen Medien als selbstverständliches Lernwerkzeug in die Wissensvermittlung integrieren. Ohne Internet sei heute kaum noch ein Entwicklungs- und Forschungsprojekt umsetzbar. Hans-Joachim Otto, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, rief dazu auf, vor allem den "Außenseitern" und "Gelegenheitsnutzern" mehr "Ermutigung, Begleitung und Anleitung" zu geben, "damit sie das Medium Internet optimal für sich nutzen können". (anw)

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