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Studie: Was Linux wert ist

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Die Linux Foundation hat in einer neu veröffentlichten Studie beziffert, was es kosten würde, eine typische Linux-Distribution von Grund auf neu zu entwickeln. Estimating the Total Development Cost of a Linux Distribution nimmt dabei das aktuelle Fedora 9 als Beispiel. Mit 10,8 Milliarden US-Dollar veranschlagt die Stiftung die Entwicklungskosten der Community-Variante von Red Hat Linux. Für den Kernel alleine kommt sie auf knapp 1,4 Milliarden Dollar.

Für ihre Schätzung griffen die Verfasser des Reports auf das Tool SLOCCount (SLOC steht dabei für Source Lines of Code) und die Methode von David Wheeler zurück. Das Werkzeug, das auf den Algorithmus des Constructive Cost Model (COCOMO) aufsetzt, hatte Wheeler bereits 2002 in einer eigenen Studie benutzt, in der er mit Hilfe von SLOCC den Wert von Red Hat Linux 7.1 ermittelte.

Eine Linux-Distribution besteht neben dem Kernel aus einer Vielzahl von Programmen und Bibliotheken, darunter das grafische System, die GNU-Tools und eine oder mehrere Desktop-Umgebungen. Für die Studie installierten die Verfasser alle 5547 verfügbare Fedora-Source-Pakete vom FTP-Server, zählten mit SLOCCount die Zahl der Codezeilen und schätzten mit der COCOMO-Methode was es kosten würde, das gleiche System auf herkömmliche, proprietäre Art zu entwickeln. Dabei legten sie ein US-Durchschnittsgehalt für Programmierer zugrunde.

Für Fedora 9 kommt die Studie auf insgesamt 204.500.946 Zeilen Quellcode; für den mit der Distribution mitgelieferten Standard-Kernel (linux-2.6.25.i686) auf 6.772.902 Zeilen. Ein Durchgang von SLOCCount mit einem aktuellen Checkout des von Linus Torvalds betreuten Hauptentwicklungszweigs bringt derzeit 6.399.191 Zeilen ans Licht.

Bei den geschätzen 60.000 Personenjahren Entwicklungsaufwand und dem Gesamtwert der Distribution von 10,8 Milliarden betonen die Verfasser jedoch ausdrücklich, dass es keine wirklich genaue Methode gebe, den Wert eines so komplexen Systems wie Linux zu ermitteln. So sei es nicht einfach, zu bestimmen, was alles zu einer Linux-Distribution gehöre. Eine Einschränkung der SLOC-Analyse sei zudem, dass sie sich auf Netto-Zuwachs von Codezeilen fokussiert und nicht den typischen iterativen Entwicklungszyklus berücksichtigt, wo Programmierer nicht nur neuen Code hinzufügen, sondern auch Teile löschen und verändern. (akl)