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Studie: Was auf Vorrat gespeicherte Verbindungsdaten verraten

Stanford-Forscher haben mithilfe eines Crowdsourcing-Verfahrens von "Metadaten" aus der Telekommunikation relativ einfach sehr intime Details über Nutzer wie etwa deren potenzielle Krankheiten herausfinden können.

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Verbindungsdaten erlauben offenbar ziemlich umfassende Rückschlüsse auf die Personen, die sie verursachen, wie US-Wissenschaftler herausgefunden haben wollen. Sie seien selbst überrascht gewesen, welch tiefe Einblicke ihnen reine Verbindungsdaten gegeben hätten, schreibt ein Mitglied des wissenschaftlichen Teams in einem Blogeintrag.

Verbindungsdaten aus Telefongesprächen verraten offenbar mehr über eine Person als gedacht.

(Bild: dpa, Marc Müller)

Teilnehmer an der Untersuchung hätten Gespräche mit den Anonymen Alkoholikern, Waffengeschäften, Gewerkschaften, Scheidungsrichtern, auf Sexualkrankheiten spezialisierte Kliniken oder etwa Strip-Clubs geführt. Bei den Erkenntnissen habe es sich nicht um eine "hypothetische Horrorparade" gehandelt, sondern um einfache Ableitungen aus dem Verhalten echter Telekommunikationsnutzer, halten die Forscher fest.

Für das Projekt haben Mitarbeiter des Center for Internet and Society der Stanford-Universität Nutzer von Android-Smartphones gebeten, über die MetaPhone-App ihre Verbindungsdaten beizusteuern. Über einen Abgleich mit 5000 aus dem so generierten Material zufällig ausgewählten Telefonnummern mit Yelp, Facebook und Google Places war es den Forschern bereits Ende vergangenen Jahres gelungen, die Namen von über 72 Prozent der damit verknüpften Teilnehmer herauszubekommen.

Für die Untersuchung wurde diese Methode verfeinert, um 33.688 von 546 Personen gewählte Nummern genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei stießen die Wissenschaftler auch auf übergreifende Muster, die sie als besonders aussagekräftig einschätzten. Ein Teilnehmer etwa habe lange mit Herzspezialisten eines größeren Krankenhauses und kurz mit einem medizinischen Labor gesprochen, Anrufe einer Apotheke entgegengenommen und immer wieder eine Hotline kontaktiert für ein Gerät, mit dem kardiologische Störungen überwacht werden können.

Ein anderer Beteiligter habe vielfach ein Geschäft angerufen, das sich auf den Verkauf von Maschinengewehren spezialisiert habe. Dazu gekommen sei ein längeres Gespräch mit dem Kundendienst eines Herstellers solcher Waffen. Wieder eine andere Mitmachende habe zwei Tage nach einer ausführlichen, in den frühen Morgenstunden geführten Unterredung mit ihrer Schwester wiederholt mit einer Einrichtung für Elternplanung und Schwangerschaftsabbrüche telefoniert. Zwei kurze Anrufe dort seien zwei Wochen später zu registrieren gewesen, ein letzter einen Monat danach.

Befürworter einer Vorratsdatenspeicherung behaupten immer wieder, dass es bei dem Instrument doch "nur" um beim Telefonieren sowieso anfallende Verbindungsinformationen, aber nicht um Kommunikationsinhalte gehe. Man könne auch über rechtliche Einschränkungen beim Zugriff auf entsprechende Datenbanken reden, ergänzen die Macher der Studie. Die Wissenschaft zeige nun aber klar, dass die Telefon-Metadaten "höchst sensibel seien". Dabei habe die Untersuchung nur wenige hundert Nutzer über ein paar Monate hinweg einbezogen. Die Datenbestände der NSA und von Telekommunikationsfirmen umfassten dagegen allein in den USA Millionen von Bürgern über viele Jahre hinweg. (Stefan Krempl) / (axk)

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