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Studie: Was sich aus den Datenspuren der Internetnutzer schließen lässt

Jeder Bürger produziert Datenspuren, ob bei Einkäufen, im Web oder bei der Nutzung des Smartphones. Eine neue Studie fasst zusammen, welche Rückschlüsse sich daraus ziehen lassen.

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Daten

(Bild: dpa, Sebastian Kahnert/Symbolbild)

Das Geschäft mit persönlichen Daten läuft global auf Hochtouren, stellt eine Studie des Wiener Forschungsinstituts Cracked Labs im Auftrag der österreichischen Arbeiterkammer fest. Die Erfassung, Verknüpfung und Verwertung persönlicher Daten ist ein Milliardengeschäft, die Verbraucher sind das Ziel. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen Google und Facebook im Rampenlicht, in Wirklichkeit verdienen zahllose weitere Unternehmen an den Daten von Verbrauchern. Cracked Labs nennt dazu zahlreiche Beispiele.

Die Wiedererkennung einzelner Verbraucher funktioniert inzwischen über alle Geräte und Plattformen hinweg. Data Mining analysiert große Mengen persönlicher Daten und sucht darin nach Mustern und Zusammenhängen. Damit lassen sich über Einzelne Erkenntnisse gewinnen und Prognosen über künftiges Verhalten abgeben. Die Supermarktkette Target konnte beispielsweise aus dem Einkaufsverhalten schwangerer Frauen deren Geburtstermine vorhersagen – ohne dabei typische Käufe wie Babykleidung oder Kinderwagen berücksichtigen zu müssen.

Teuer wird Big Data für den Verbraucher, wenn ein potenzieller Vertragspartner zu viel über ihn weiß. Je nachdem, in welche Käuferkategorie man eingeordnet wird, wo man sich aufhält und welche Geräte und Browser man verwendet, kann der Preisunterschied für ein Produkt schon einmal um bis zu 166 Prozent variieren. Beim US-Bürobedarfshändler Staples lag die durchschnittliche Preisdifferenz bei 8 Prozent.

Verschlimmert wird die Datenschutzlage durch Smartphones und Wearables. Viele Apps greifen auf persönliche Daten zu, ohne dass das nötig wäre. Einige Versicherungskunden unterwerfen sich freiwillig der Überwachung, weil sie sich Rabatte versprechen. Die Sparkassen-DirektVersicherung bietet Kunden, die sich eine Telematik-Box ins Fahrzeug einbauen lassen, einen Rabatt von 5 Prozent – aber nur wenn sie anständig fahren. Wer öfters mal zu schnell fährt, heftig in die Eisen steigt, viel in der Stadt oder in den Nachtstunden unterwegs ist, verliert den Rabatt.

Einen genauen Blick wirft die Studie auch auf Bonitätsbewertung und Scoring. Sie kritisiert diese als "fehleranfällig und intransparent". Die Firmen nutzen ihre Datenbestände nicht nur für Bonitätsbewertungen, Inkasso oder Finanzdienstleistungen, sondern betreiben auch Bonusprogramme oder Gesundheitspräventionsprogramme und handeln mit Adressen, die sie zur Direktvermarktung nutzen. Die US-Firma Acxiom hat über etwa 700 Millionen Menschen Dossiers mit bis zu 3000 einzelnen Eigenschaften erstellt. Diese umfassen auch sehr sensible Daten, beispielsweise über ethnische Zugehörigkeit, Tabakkonsum, Krankheiten, Mediennutzung oder Wahlverhalten. In der Datei sind auch 44 Millionen Deutsche erfasst.

Die Studie analysiert die gesellschaftlichen Folgen der Datensammelwut, konstatiert den Übergang in die Überwachungsgesellschaft und macht auf das Risiko von Datenmissbrauch oder -verlust aufmerksam. Ganzen Bevölkerungsgruppen drohe Diskriminierung oder Ausschluss von bestimmten Dienstleistungen; die Chancen und Wahlmöglichkeiten Einzelner würden dadurch eingeschränkt, etwa durch höhere Preise oder Versicherungsprämien. Die Studie leitet daraus Handungsempfehlungen ab, etwa Transparenz zu schaffen, die dezentrale Techniken zu unterstützen, die digitale Zivilgesellschaft zu stärken oder die Algorithmen zur Datenverarbeitung transparenter zu halten. (uma)

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