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Studie bestätigt Linux volle Reife für Unternehmenseinsatz

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Linux kann nach Jahren der Entwicklung alle Datenverarbeitungsaufgaben in Unternehmen jeglicher Größe vom Startup bis zum Großkonzern meistern. Das bescheinigt dem frei verfügbaren Betriebssystem zumindest eine Studie des unabhängigen Technologieforschungsinstituts Bloor Research North America. Auftraggeber war der Computergigant IBM, der bereits vor mehreren Jahren auf den Linux-Zug aufgesprungen ist und nun seine Strategie sowie seine Investitionen in diesem Bereich überprüfen lassen wollte.

Mit dem Ergebnis darf Big Blue zufrieden sein: Vor drei Jahren hatte Bloor in einem Vergleich zwischen Linux und Windows die Empfehlung für die Open-Source-Software mit dem Pinguin-Maskottchen auf den Einsatz als Datei- und Printserver beschränkt und beide Systeme als "nicht verwendbar" für den Enterprise-Level beurteilt. Diesmal geben die Analysten grünes Licht für Linux.

Die Forscher nahmen das freie Betriebssystem anhand von sieben Kriterien unter die Lupe. Sie prüften die Software auf Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Flexibilität, Sicherheit, Administrierbarkeit und Serverkonsolidierung beziehungsweise -performance. Dabei konnte das Open-Source-System die Analysten in allen Punkten überzeugen. So verweisen sie etwa auf die deutlich verbesserte Skalierbarkeit von Linux. In vertikaler Hinsicht, also bei der Einbindung von mehreren Prozessoren in einer Umgebung, erwartet Bloor die Unterstützung eines 18-Wege-Systems mit dem neuen Linux-Kernel 2.6. Generell möglich sei heute bereits sechsfaches symmetrisches Multiprocessing auf gängiger Intel-Hardware. Aber auch auf den großen IBM Enterprise-Servern der zSerie und anderen Mainframes laufe Linux und lasse sich kostengünstig zur Konsolidierung von Serveraufgaben nutzen. Besonders gute Noten verteilt Bloor ferner bei der horizontalen Skalierbarkeit für Anwendungen des verteilten Rechnens (Distributed Computing und Grid Computing).

Beim Punkt Zuverlässigkeit überzeugte die Forscher vor allem die gute Leistung im Bereich spezieller, dezidierter Anwendungen -- zum Beispiel wenn die Plattform als ausgewiesene Firewall installiert wird. Im Bereich Sicherheit weist Bloor auf die sich aus dem gleichen Stammbaum ableitenden Ähnlichkeiten mit Unix hin, betont aber den wichtigen Mehrwert, den die Verfüg-, Prüf- und Modifizierbarkeit des offenen Quellcodes mit sich bringt. Dadurch seien verdeckte Einstiegstüren in das Betriebssystem "faktisch eliminiert" worden. Entwickler könnten zudem ihre eigenen, geheimen und proprietären Sicherheitserweiterungen in den Kernel einbauen. Das verstoße nicht gegen die GNU General Public Licence, solange der Code nicht kommerziell weiter verwendet werde.

Groß sei auch der Einsatzbereich von Linux und damit seine Flexibilität, loben die Analysten. Das System sehen sie für Handhelds genauso geeignet wie für Mainframes. Damit könnten die Anwender zum einen die Gesamtkosten drücken. Zum anderen würden sie unangenehmen "Lock-in"-Effekten entgehen, mit denen sie an einen bestimmten Software-Hersteller gebunden würden. IT-Manager könnten vielmehr für jede Anwendung oder Plattform das beste System auswählen.

IBM selbst hat nach Ansicht von Bloor im Gegensatz zu vielen anderen Firmen einen guten Weg gefunden, vom Linux-Boom kommerziell zu profitieren. Da der Konzern keine eigene Linux-Distribution vertreibe, sondern mit Partnern wie Red Hat oder SuSE zusammenarbeite, könne er Geld auf eine Vielzahl von Wegen machen: zum Beispiel indem er Hardware-Plattformen für Linux zur Verfügung stellt und optimiert; auf der Softwareseite, indem er Kommunikations- und Webservice-Programme wie J2EE-Applikationen auf das offene Betriebssystem aufsetzt oder im Servicebereich durch Support, Implementierung, Migration- oder Integrationsleistungen. Der Report ist Teil einer umfangreicheren, Mitte November erscheinenden Linux-Studie. (Stefan Krempl) / (anw)

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