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Studie findet keinen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonie und Krebs

Auch eine jahrzehntelange Benutzung von Mobiltelefonen erhöht das Krebsrisiko nicht, folgern dänische Forscher aus einer groß angelegten epidemiologischen Studie, deren Ergebnisse jetzt im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurden. Die führend vom Institut für Krebsepidemiologie der dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen im Jahr 2002 durchgeführte Untersuchung verglich die Häufigkeit, mit der eine Krebserkrankung unter 420.095 Dänen mit langjährigem Mobiltelefonvertrag auftrat, mit den entsprechenden Daten für die Gesamtbevölkerung.

Die Basis der durchgeführten Untersuchung war ungewöhnlich groß: Die Daten aller 723.421 in Dänemark zwischen 1982 und 1995 abgeschlossenen Mobilfunkverträge. Vor der Auswertung löschten die Forscher davon gut 200.000 keinen Personen zuordenbare Datensätze aus Firmenverträgen, womit allerdings möglicherweise gerade ein Teil der Vieltelefonierer ausgeschlossen wurde. Weitere gut 100.000 Datensätze entfernten sie unter anderem wegen Fehlern in Namen oder Adressen, auf Wunsch der Betroffenen oder weil die Personen bei Abschluss des ersten Vertrages unter 18 Jahre alt waren. Für die in der Datei verbliebenen 420.095 Dänen ermittelten sie dann über den Abgleich mit dem zentralen Bevölkerungsregister und dem dänischen Krebsregister, wie viele bis zum 31.12.2002 an Krebs erkrankt waren.

Im Jahr 2001 hatte die Forschergruppe schon einmal die Ergebnisse einer von der gleichen Datenbasis ausgehenden Studie veröffentlicht, deren Datenerhebung im Dezember 1996 endete. Diese Studie hatte ebenfalls keinen statistischen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonbenutzung und Krebserkrankungen finden können. Wie in vielen anderen Studien auch hatten bei dieser frühen Untersuchung die meisten Personen ihr Handy aber mit durchschnittlich drei Jahren nur kurze Zeit benutzt.

Dies war einer Gründe für eine erweiterte Neuauflage der Studie im Jahr 2002, bei der jetzt der erste Vertrag bis zu 21 Jahre zurücklag und die mittlere Nutzungszeit immerhin 8,5 Jahre betrug. Zusätzlich erfasste diese zweite Auswertung das Einkommen und ob jemand Raucher oder Nichtraucher war, um zu untersuchen, ob es in diesen Punkten Unterschiede zur Gesamtbevölkerung gab. Insbesondere unter den Männern deutete die Auswertung dieser Daten darauf hin, dass diejenigen, die bereits Mitte der 80er Jahre einen Mobiltelefonvertrag abgeschlossen haben, insbesondere in der Anfangszeit des Mobilfunks tendenziell ein höheres Einkommen hatten und weniger rauchten als der Durchschnitt der Bevölkerung, was beides möglicherweise auf einen insgesamt gesünderen Lebensstil schließen lässt.

Im Ergebnis fanden die Forscher 14.249 Krebserkrankungen unter den Mobiltelefonnutzern. Dies ist deutlich weniger als die von ihnen für die Nicht-Mobiltelefonnutzer erwarteten 15.001 Fälle, die sie durch Abzug der Werte für die Mobilfunknutzer aus den Werten für die Gesamtbevölkerung abgeleitet hatten. Insbesondere Krebsarten, die mit Rauchen in Verbindung gebracht werden, seien seltener aufgetreten als sonst, aber auch Gehirntumore einschließlich des laut einiger Interphone-Studien häufiger auftretenden Akustikusneurinoms habe man seltener gefunden als zu erwarten gewesen sei. Dies galt auch in der Gruppe der 56.648 Personen mit einer Handynutzungsdauer von mehr als 10 Jahren.

Aber nicht alle Werte waren niedriger als erwartet: Als die Forscher die Werte nach Geschlecht unterteilten, stellten sie fest, dass die gefundenen Werte und Erklärungsmuster nur für die 357.553 Männer gelten. Bei den 62.542 Mobiltelefonnutzerinnen fanden sich ein erhöhtes Risiko für Nieren- und Gebärmutterkrebs und keine erniedrigten Werte für mit Rauchen verbundene Krebsarten. Die Forscher können diese Werte nicht erklären: "Da wir bei den Männern keinen Anstieg der Nierenkrebsfälle gefunden haben, ist das erhöhte Auftreten bei den Frauen vermutlich Zufall, verursacht durch die vielen statistischen Vergleiche, die in dieser Studie gemacht wurden." Ein Einfluss des Zufalls auf die für die Männer beziehungsweise ingesamt gefundenen Werte wird in dem veröffentlichten Artikel nicht explizit erwähnt. Im Gegenteil: In ihrem Fazit ziehen die Epidemiologen den Schluss, dass die engen Vertrauensbereiche eindeutig zeigten, dass ein erheblicher Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und Mobiltelefongebrauch ausgeschlossen werden kann. Trotzdem plädieren sie für weitere Untersuchungen und planen bereits eine dritte Auflage der Studie, für die sie bessere Methoden zur Abschätzung der Telefonnutzung verwenden wollen.

Einige der jetzt offen gebliebenen Fragen wird aller Voraussicht nach aber auch die dritte Auflage dieser Studie nicht beantworten. So hatten die früheren Studien zum Akustikusneurinom eine Erhöhung der Erkrankungen durch langjährigen Mobiltelefongebrauch nicht insgesamt, sondern nur für die beim Telefonieren bevorzugte Seite festgestellt. Da den Forschern in der jetzt vorgestellten Studie aber lediglich Vertragsdaten zur Verfügung standen, gab es naturgemäß keine Möglichkeit, dies getrennt zu untersuchen. Hier weisen die Forscher ausdrücklich auf weiteren Forschungsbedarf hin. Ebenso ließen sich aus den Daten keine Angaben zur Nutzungsintensität ableiten, womit keine Unterscheidung zwischen häufigen und gelegentlichen Nutzern möglich war. Auch Aussagen zum Handygebrauch durch Kinder sind nicht möglich. Damit liefert auch diese Studie zwar möglicherweise starke Hinweise auf eine statistische Unbedenklichkeit der Mobiltelefonie, kann aber nicht als prinzipieller Nachweis der Unschädlichkeit für jeden beliebigen Einzelfall gewertet werden. (anm)

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