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Studie über Selbstzensur: Was Facebook-Nutzer nicht veröffentlichen

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Facebook interessiert sich auch für die unveröffentlichten Posts seiner Nutzer: Für die Studie "Self-Censorship on Facebook" (PDF) haben Adam Kramer, Daten-Wissenschaftler bei Facebook, und Sauvik Das Beiträge von 3,9 Millionen zufällig ausgesuchten Facebook-Usern untersucht. Im Interesse der Forscher standen Beiträge und Kommentare, die zwar getippt, aber dann doch nicht veröffentlicht wurden. Diese Form der Filterung bezeichnen die Forscher in ihrer Studie als "last-minute self-censorship".

Freiwillige Selbstzensur: Manches sollte man besser für sich behalten.

Die Facebook-Studie zeigt, dass im untersuchten Zeitraum 71 Prozent der Nutzer mindestens ein Status-Update oder einen Kommentar verfassten, aber nicht abschickten. Durchschnittlich hielt jeder User 4,52 Status-Updates sowie 3,2 Kommentare zurück. Somit fielen Status-Updates öfter als Kommentare einer Selbstzensur zum Opfer. Nutzer, die ein "spezifisches Publikum" ansprechen, zensierten sich stärker als andere. Außerdem zensierten Männer mehr als Frauen. Nutzer, deren Facebook-Freunde eine politische Vielfalt oder eine gemischte Altersstruktur aufweisen, waren weniger anfällig für Selbstzensur.

Untersucht haben Kramer und sein Kollege Status-Updates sowie Kommentare. Als "Selbstzensur" definierten sie Einträge bestehend aus mindestens fünf Zeichen, die nach zehn Minuten nicht abgesendet wurden. In der Studie ist zu lesen, dass lediglich die "An- oder Abwesenheit" von Texten in den HTML-Formularen erfasst und untersucht wurde. "In anderen Worten: die Inhalte der selbst zensierten Posts und Kommentare wurden nicht an Facebook gesendet – lediglich ein binärer Wert, ob Inhalte eingegeben wurden oder nicht", schreiben die Forscher in ihrem Papier.

Aus der Studie ergibt sich deshalb nicht, welche Inhalte der Selbstzensur zum Opfer fielen. Doch die Forscher denken schon weiter: "Wir verstehen nun besser, wie und wo Selbstzensur in Sozialen Medien passiert; als nächstes wollen wir verstehen, was und warum", schreiben Kramer und Das in ihrem Fazit. Das allerdings würde bedeuten, Posts und Kommentare inhaltlich auszuwerten. Gegenüber dem Onlinemagazin Slate versicherte ein Facebook-Sprecher jedoch, dass das Unternehmen die Inhalte der selbst zensierten Posts nicht sammle. Facebook würde sich an die Data Use Policy halten, erklärte er weiter.

Dass Facebook ein äußerst neugieriges Unternehmen ist, dürfte niemanden überraschen: Ende Oktober hatten US-Medien beispielsweise berichtet, dass das soziale Netzwerk die Mausbewegung der Nutzer aufzeichnen und auswerten möchte. (dbe)

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