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Studie: Übermäßiger Medienkonsum korreliert mit schlechten PISA-Ergebnissen

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Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat am heutigen Freitag die Ergebnisse einer Untersuchung vorgelegt, die sich mit der Frage beschäftigte, wie sich bestimmte Mediennutzungsmuster auf Schulleistungen von Kindern und Jugendlichen auswirken. Folgt man den Verfassern der Studie "Die PISA-Verlierer – Opfer ihres Medienkonsums" (PDF-Datei), gehen schlechtere Schulnoten meist einher mit einer übermäßigen Nutzung von Fernseher, Spielkonsole und Computer. Die Ergebnisse würden dabei überraschend deutliche Parallelen zu den Ergebnissen der drei PISA-Studien in Deutschland aufweisen.

Die Analyse belege, dass alle vier PISA-Verlierergruppen – Jungen, Migranten, Norddeutsche, Ärmere – schon als Viertklässler über eine erheblich größere Ausstattung mit Fernsehern, Spielkonsolen und Computern verfügen als ihre jeweilige Gegengruppe, stellte KFN-Leiter Christian Pfeiffer fest. "Kinder, die mit Medien vollgepflastert sind, zeigen schulisch eine absteigende Tendenz." Laut Studie besitzen Jungen zu 38 Prozent eine eigene Spielkonsole, Mädchen dagegen nur zu 16 Prozent. Beim Vergleich von Migranten mit deutschen Kindern falle der Unterschied mit 44 zu 22 Prozent ähnlich groß aus. Norddeutsche Kinder verfügten zu 42 Prozent über ein eigenes Fernsehgerät, süddeutsche nur zu 27 Prozent.

Im Extremfall bringe es ein zehnjähriger Junge aus einer bildungsfernen Migrantenfamilie in Norddeutschland pro Schultag auf rund 4 Stunden Medienkonsum, am Wochenende sogar auf 5 Stunden und 40 Minuten. Ein deutsches Mädchen aus Süddeutschland, von dem mindestens ein Elternteil Abitur hat, komme dagegen an Schultagen nur auf 43 Minuten, an Wochenenden auf 54 Minuten. Besonders drastisch wirke sich der Bildungshintergrund der Eltern bei verbotenen Filmen aus. Viertklässler aus Elternhäusern mit geringem Bildungsniveau hätten acht Mal häufiger angegeben, Spiele zu spielen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind, als Kinder mit gebildeten Eltern. Jungen würden doppelt so häufig wie Mädchen verbotene Filme sehen.

Als Folge der Ausstattungsunterschiede bei Mediengeräten würden die PISA-Verlierer schon als 10-Jährige und später als 15-Jährige einen weit höheren und auch inhaltlich problematischeren Medienkonsum aufweisen als ihre bei PISA besser abschneidenden Vergleichsgruppen, hält das KFN fest. Gestützt würden diese Erkenntnisse durch zwei vom KFN durchgeführte Querschnittsbefragungen von 5500 Viertklässlern und 17.000 Neuntklässlern. Basierend auf diese Untersuchungen sowie eine seit 2005 laufende Panel-Untersuchung von 1000 Berliner Kindern und einem Experiment zu den Auswirkungen unterschiedlicher Freizeitbeschäftigungen auf die Konzentrationsleistung falle der Befund klar aus: Je mehr Zeit Schülerinnen und Schüler mit Medienkonsum verbringen und je brutaler dessen Inhalte sind, desto schlechter die Schulnoten.

"Wir sollten die Eltern bundesweit über die Schulen gezielt darüber aufklären, wie negativ sich extensiver Medienkonsum auf Schulleistungen auswirkt", verdeutlichen die KFN-Mitarbeiter. "Und wir sollten ihnen eine klare Botschaft vermitteln: Bildschirmgeräte gehören nicht ins Kinderzimmer." Hinsichtlich der Verbreitung von brutalen Computerspielen erklärte Pfeiffer, es müssten "mehr Spiele indiziert werden". Es habe sich gezeigt, dass indizierte Spiele bei den Kindern fast nie zu finden seien. Da für sie keine Werbung gemacht werde, hätten sie auf dem Schulhof kaum einen Marktwert. Dagegen machten Spiele mit Altersbeschränkung "die Kinder richtig scharf". Pfeiffer forderte die Jugendminister auch auf, gegen die Freigabe des Spiels "World of Warcraft" schon ab 12 Jahren tätig zu werden. Es verleite Jugendliche zu suchtartigem, stundenlangem Spiel.

Ein Ausweg aus der Bildungsspirale nach unten seien Sport, Musik und der Ausbau der Ganztagsschulen, erklärte Pfeiffer. "Alle PISA-Siegerländer sind Ganztagsschulländer. Das schützt die Kinder." Musik sei für Kinder "eine Schutzimpfung gegen Medienverwahrlosung". Zitiert wurden auch die Ergebnisse eines Experiments, wonach Kinder, die nach der Schule eineinhalb Stunden ein brutales Computerspiel gespielt hatten, anschließend erheblich schlechter Mathematikaufgaben lösen konnten als Kinder, die sich die Zeit stattdessen mit Tischtennisspielen vertrieben hatten. Harsche Kritik äußerte der Kriminologe zudem an einer Schulzeitverkürzung bis zum Abitur durch Ausweitung des Stundenvolumens. "Das ist Stress, der den Kindern nicht gut tut." (pmz)