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Studie zu "Fake News": Verbreitung ohne Prüfung, Rechte sind organisierter

Dutzende Menschen aus Indien, Kenia und Nigeria haben es der BBC erlaubt, ihre WhatsApp-Nutzung zu analysieren. Sie zeigen, wie sich "Fake News" verbreiten.

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WhatsApp

(Bild: dpa, Andrea Warnecke)

Dutzende Studienteilnehmer in Indien, Kenia und Nigeria haben fleißig "Fake News" in sozialen Netzen und Messengern verbreitet, ohne auch nur zu versuchen, die Nachrichten zu verifizieren. Das berichtet BBC, die für die Analyse eine Woche lang Zugriff auf die WhatsApp- und Facebook-Accounts von 80 Personen in den drei Ländern hatte. Aus Interviews, die die Untersuchung begleitet haben, geht demnach hervor, dass sich die Teilnehmer auch in der falschen Überzeugung wiegen, "Fake News" sicher erkennen zu können. Misstrauen in etablierte Medien führte demnach dazu, dass sie Texte "alternativer Quellen" verbreiteten, im falschen Glauben, die "wahre Geschichte" kund zu tun.

Während die Thematik "Fake News" in Europa und den USA zuletzt etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten ist, gibt es aus anderen Teilen der Welt immer wieder Berichte über reale und teilweise sogar blutige Konsequenzen absichtlicher Falschmeldungen im Anstrich normaler Presseberichte. So wird etwa der Wahlsieg des rechtsextremen Kandidaten Jair Bolsonaro in Brasilien auch auf eine beispiellose Rufmordkampagne zurückgeführt.

Eine entscheidende Rolle kommt nicht nur in Brasilien dem Messenger WhatsApp zu, der wegen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung keinen Einblick von außen ermöglicht. Dieses Hindernis hat die BBC für die Studie im Rahmen einer Serie namens "Beyond Fake News" durch die direkte Kooperation mehrerer Dutzend Personen umgangen. Mit dem Zugang zu ihren Accounts gewährten sie zumindest in diesem kleinen Umfang einen Blick hinter die Verschlüsselung und darauf, wie "Fake News" inzwischen verbreitet werden.

Die BBC erklärt, dass "Fake News" nicht Meldungen sind, die der Leser nicht mag. Stattdessen gehe es um absichtlich falsche Meldungen, die etwa Verunsicherung, Misstrauen oder Chaos stiften sollen. Stießen die Studienteilnehmer auf solche Falschmeldungen, hätten sie fast keine Versuche unternommen, originale Quellen auszumachen. Stattdessen hätten sie auf andere – nicht ausreichende – Anzeichen geachtet, um die Glaubwürdigkeit einzuschätzen. Das sei etwa die Zahl der Kommentare unter einem Facebook-Eintrag gewesen, die Art der Bilder und die Identität des Absenders. Familienmitglieder und Freunde seien als glaubwürdig genug eingeschätzt worden, um deren Beiträge ungeprüft weiterzuleiten.

Bei der Analyse haben die BBC-Reporter nicht nur herausgefunden, dass in Indien Nationalismus ein treibender Faktor hinter der Verbreitung von "Fake News" ist. Deutlich geworden sei außerdem, dass rechte Netzwerke deutlich organisierter vorgingen und Überlappungen mit Netzwerken aus Anhängern von Premierminister Narendra Modi aufwiesen. In Kenia würden besonders viele Betrügereien rund um Finanzen und Technologie verbreitet, während in Nigeria vor allem Falschmeldungen in Zusammenhang mit Terrorismus und der Armee beobachtet worden seien.

(mho)

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