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Studie zu Führungspersönlichkeiten: Machtstreben wird überbewertet

Mit einem Brettspiel untersuchten Forscher Kooperationsverhalten. Machtbewusste Egoisten haben kurzfristig Erfolg, verursachen aber langfristig Schaden.

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(Bild: Dezay/Shutterstock.com)

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Neben der Suche nach ausgebildeten Fachkräften ist auch die Auswahl geeigneter Führungspersönlichkeiten eine große Herausforderung für Unternehmen. Eine Studie aus Bamberg legt nahe: Probleme mit falscher Führung sind mitunter hausgemacht, da die Auswahlprozesse Verhaltensweisen bevorzugen, die sich auf lange Sicht als schädlich erweisen.

Für die in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie hatten Organisationspsychologen der Universität Bamberg das klassische Brettspiel "Die Siedler von Catan" (ab 19,50 €) gewählt. Unter Laborbedingungen traten insgesamt 201 Spieler in Dreier- und Viergruppen an. Dabei konnten die Spieler selbst entscheiden, ob sie gegeneinander spielen oder eher eine kooperative Strategie wählen wollten. Erst ein Münzwurf nach dem Spiel legte fest, ob die Spieler für ihr individuelles Ergebnis oder für die Gesamtleistung aller Spieler belohnt werden sollten.

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"Man hat es in der Psychologie nicht leicht, Menschen in ihrer normalen Umgebung zu betrachten", sagt Organisationspsychologe Christian Wolff von der Universität Bamberg im Gespräch mit heise online. Dabei wählten die Forscher die Siedler von Catan gezielt aus: "Eine Eigenart des Spiels ist, dass man nicht unbedingt gegeneinander spielen muss", erklärt Wolff.

Um insbesondere die Folgen destruktiven Verhaltens zu analysieren, wählten die Forscher eine Variante des Spiels, das die Nutzung von Erdöl erlaubt – was allerdings zu Umweltschäden und damit zu sinkenden Gesamt-Erträgen führen kann. Um die Mitspieler und ihre Motivation richtig einschätzen zu können, mussten die Probanden vorher einen Fragebogen ausfüllen.

Das Experiment zeigte: Die Teilnehmer, die einen starken egoistischen Machttrieb haben, verursachten dabei am häufigsten einen Ölunfall. Bei den Probanden von eher kooperativer Natur, geschah dies viel seltener. Dies zeigt sich besonders in der Unterscheidung nach Geschlecht: Männer, bei denen das destruktive Machtmotiv weit stärker zutage trat, verursachten fünf Mal häufiger Ölunfälle als die im Schnitt deutlich kooperativer agierenden Frauen.

Im Endeffekt lohnte sich das bewusst eingegangene Risiko aber kaum: So bekamen die kontrovers agierenden Teilnehmer nur wenige Cents mehr ausgezahlt als die kooperativen Mitspieler. Im Endergebnis schnitten die Gruppen, bei denen Spieler auf eigene Faust spielten, tendenziell schlechter ab.

Bei einer Nachspiel-Analyse sollten die Spieler sich auch gegenseitig bewerten. Ergebnis: Ausgerechnet die Spieler, die sich der Kooperation verweigerten, erhielten hohe Werte, wenn es um eine angenommene Führungsrolle ging. Selbst die Öldesaster hatten auf diese Bewertung nur einen schwachen Effekt. Die Gruppen, die letztlich die besseren Spielergebnisse hervorbrachten, wurden hingegen eher als eher führungsschwach bewertet.

Für den Organisationspsychologen Wolff ist dieses Resultat wenig überraschend, sondern zeigt auf, wie Führung in unserer Gesellschaft bewertet wird. So werde bei Beförderungen oder Neuanstellungen von Führungskräften zu viel Wert darauf gelegt, dass die Kandidaten starke Machtimpulse haben. Dabei sei dies eigentlich kontraproduktiv: "Eine Führungskraft hat es aufgrund ihrer Position ohnehin eher einfach, sich durchzusetzen -- eine zusätzliche Durchsetzungsstärke wäre daher eigentlich unnötig", erklärt Wolff. Bei einfachen Beschäftigten würde hingegen einfach vorausgesetzt, dass sie sich in der Gruppe kooperativ verhalten.

Wolff schlägt daher vor, die Firmenkultur umzustrukturieren. So müsste bei der Besetzung von Führungsposten mehr Wert auf die Kooperationswilligkeit gelegt werden. "Es reicht nicht aus, die Stellenanzeigen umzuschreiben, man muss auch den Arbeitsalltag verändern und wie Führungskräfte von anderen wahrgenommen werden", erklärt Wolff. (axk)