Studie zum Datenschutz-Empfinden in sozialen Netzwerken

Nutzer von Online-Gemeinschaften legen mehr Wert auf ihre Privatsphäre als vielfach angenommen, lautet das Kernergebnis einer Analyse des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität Berlin.

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  • Stefan Krempl

Nutzer von Online-Gemeinschaften legen mehr Wert auf ihre Privatsphäre als vielfach angenommen, lautet das Kernergebnis einer Studie des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Entgegen öffentlicher Kritik an einem neuen "Exhibitionismus" Jugendlicher in sozialen Netzwerken sei der Datenschutz ein "absolut präsenter" und "gelebter" Bestandteil aller Plattformaktivitäten, heißt es in der vor kurzem in Form von zwei Fachaufsätzen veröffentlichten Analyse. Es könne nicht davon die Rede sein, dass die Leute im Netz unbefangen zu viel über sich ausplauderten.

Für die Studie haben die beteiligten Forscherinnen etwas mehr als 250 Nutzer von StudiVZ und Facebook Deutschland befragt und ihre Profile unter die Lupe genommen. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Teilnehmer zunächst überwiegend auf eine "aufpolierte Selbstdarstellung" Wert legten. "Sie fürchten, dass sie von anderen im Netz schlecht dargestellt oder lächerlich gemacht werden könnten", berichtet die Doktorandin Hanna Krasnova. Diese Angst sei genauso groß, erklärt die Leiterin der Untersuchung, wie die, dass Plattformbetreiber oder andere Dritte die personenbezogenen Daten missbrauchen könnten.

Die Sorgen der Nutzer führen laut Analyse aber nicht zu einem ernsthaften Rückgang der Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Dafür überlegten sich die User aber sehr genau, wie sie sich auf den Plattformen äußern. "Man sagt zwar die Wahrheit, aber man sagt noch lange nicht alles", beschreibt Sarah Spiekermann als Co-Autorin der Untersuchung die ausgemachte "klare Strategie" der Befragten. Die Studien zeigten, "dass Nutzer gezielt weniger von sich veröffentlichen, wenn sie Privacy-Bedenken gegenüber dem Provider und kommerziellen Dritten haben". Interessant für die Plattformbetreiber sei dabei, dass ihre Kunden nicht bewusst zwischen ihnen und anderen möglichen Nutzern ihrer Daten unterscheiden würden. Sobald sie ihre Informationen einmal veröffentlicht hätten, stünde in ihren Augen der Anbieter des sozialen Netzwerks auch für alle anderen Parteien gerade, die sich der Profile bedienen könnten.

An die Plattformbetreiber richten die Forscherinnen auf Basis der Untersuchung die Empfehlung, Nutzern möglichst detaillierte Einstellungen zum Datenschutz an die Hand zu geben. Ihnen sollte möglichst eine hundertprozentige Kontrolle über ihre Profildaten gestattet werden. Damit könne das Vertrauen in die virtuellen Communities gesteigert werden. Datenschutzbedenken würden sich in diesem Fall "nicht mehr so negativ" auf die Teilnahme an den Netzwerken auswirken. Zugleich sehen die Autorinnen der Studie weiteren Forschungsbedarf, da sich unter den Teilnehmern der Analyse hauptsächlich Studenten befanden, Online-Gemeinschaften aber verstärkt auch vom Bevölkerungsdurchschnitt bevölkert würden. (Stefan Krempl) / (pmz)