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Suchmaschine Bing in China wieder zugänglich – Ärger mit Zensur?

Internetnutzer können in China wieder Bing verwenden. Warum die Website für einige Tage gesperrt war, ist unklar – ungewöhnlich ist es nicht.

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Suchmaschine Bing in China wieder zugänglich – Ärger mit Zensur?

(Bild: dpa)

Nach zweitägiger Unterbrechung konnten Internetnutzer in China am Freitag wieder auf die Microsoft-Suchmaschine Bing zugreifen. Es blieb unklar, was zu der Sperrung der Webseite geführt hatte. Microsoft-Justiziar Brad Smith sagte dem US-Nachrichtensender Fox auf der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Davos, es sei nicht das erste Mal und passiere gelegentlich.

In China folge das Unternehmen den Zensurvorgaben, erklärte Smith. "Es gibt Zeiten, da gibt es Meinungsverschiedenheiten. Es gibt Zeiten, in denen es schwierige Verhandlungen mit der chinesischen Regierung gibt." Das Unternehmen versuche noch herauszufinden, worum es gegangen sei, sagte Smith.

China sperrt grundsätzlich alle Dienste von Google, das sich in China anders als Microsoft nicht an Zensurvorgaben halten will, sowie soziale Netzwerke wie Twitter, YouTube, Facebook oder WhatsApp. Auch sind ausländische Medien wie die New York Times oder chinakritische Webseiten geblockt.

Google hatte im November Überlegungen öffentlich gemacht, eine Suchanwendung unter dem Codenamen "Dragonfly" auf den chinesischen Markt zu bringen, die im Einklang mit Vorgaben der dortigen Behörden steht. Dafür war der Konzern unter anderem von Amnesty International scharf kritisiert worden. Firmenchef Sundar Pichai gab wenige Wochen später bekannt, der Konzern habe aktuell keine Pläne für den Start einer Suchmaschine in China.

Die chinesische Regierung kontrolliert nicht nur das heimische Internet, sondern sammelt anhand von Sozialpunkten und Tracking-Apps allerhand Daten aus der Bevölkerung, um daraus Rückschlüsse auf das Verhalten der Bürger ziehen zu können.

Wer in China die "große Firewall" umgehen will, braucht einen VPN-Tunnel. Doch gehen die chinesischen Behörden in den vergangenen Monaten noch stärker als früher gegen solche geschützte Verbindungen vor, indem sie diese massiv stören. Viele VPN-Dienste funktionieren oft nur noch schlecht.

Aufgrund der verschärften Datenkontrolle warnt die US-Organisation Freedom House in ihrem Jahresbericht 2018 zur Netzfreiheit daher vor einem zunehmenden "digitalen Autoritarismus". (jula)

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